Autor:
Frank Wedekind (24. 7. 1864, Hannover - 9. 3. 1918, München)
Werk:
"Behauptung"
Nach abgebrochenen Jurastudium versuchte sich Wedekind als Dramaturg,
Regisseur und Schauspieler. Er veröffentlichte außerdem satirische Texte im
"Simplicissimus" und beteiligte sich am berühmten Münchner Kabarett
"Die 11 Scharfrichter". Im Mittelpunkt von Wedekinds umfassenden Werk
steht die Schein- und Doppelmoral der bürgerlichen Welt. Diese Welt wird
mit einer freien Entfaltung des Sexus und mit einer geistigen Befreiung des
Menschen überhaupt konfrontiert. So verwundert es nicht, daß seine Stücke -
vor allem "Lulu" - wegen der Angriffe auf die Lebensweise des Bürgertums
zu zahlreichen Theaterskandalen führten.
Behauptung
Ob die Menschheit mich begrabe,
Häuptlings, bei lebendigem Leib,
Gilt mir doch ein schlanker Knabe
Schöner als ein dickes Weib.
Dies Geständnis auszusprechen
Konnt ich mich nicht mehr entbrechen,
Wenn auch alle alten Huren
Wütend aus dem Häuschen fuhren.
Jeder preist mit stolzem Munde
Schöne Weiber, Pferde, Hunde,
Schöne Blumen, schöne Blätter,
Schöne Gegend, schönes Wetter.
Ja, man darf sich unterwinden,
Sogar Schweine schön zu finden,
Wenn man viel dafür bezahlt hat,
Weil sie Liebermann gemalt hat.
An der Schönheit eines Knaben
Darf sich keine Seele laben,
Alle Welt bekreuzigt sich.
Mensch, wie bist du lächerlich!
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