Autor:
Theogenis (6. Jh. v. Chr., Megara)

Werke:
Aus den Elegien: "Glücklich der Liebhaber", "Knaben und Pferde", "Knabe wie lange noch", "Fittiche gab ich dir"

Übersetzung:
Hermann Beckby, München 1958: Glückl. d. Liebh., Knaben u. Pf., Knabe w. l. n.
W. Binder, Berlin 1904: Fittiche gab ich dir

Quelle:
Joachim Campe (Hg.) "Matrosen sind der Liebe Schwingen", Frankfurt/M. 1994



Theognis schrieb seine Elegien nach dem klassischen Konzept der griechischen Knabenliebe: Er mischte pädagogische und päderastische Epigramme. Gerichtet sind sie an seinen Geliebten Kyrnos, den er das rechte Leben lehren will und mit dessen Sprödigkeit er ins Gericht geht: derb witzig, aber auch pathetisch.



Glücklich der Liebhaber

Glücklich der Liebhaber, der seinen Körper trainiert, dann nach Haus geht:
zu einem Knaben, mit dem er seine Nächte verbringt.




Knaben und Pferde

Knaben und Pferde: sie haben dieselben Instinkte. Zu Boden gegangen,
klagen die Pferde niemals über den Mann, der sie lenkt;
tragen sofort dann den nächsten, bekommen sie etwas hinein nur.
So lieben Knaben den Mann, der grade zu ihnen kommt.




Knabe, wie lange noch

Knabe, wie lange noch willst du mich fliehen? Damit ich dir folge,
um dich zu suchen. Zum Ziel komme ich schon noch dabei.
Dir steht die ganze Welt offen. Und so beginnst du zu flüchten,
weil du den wilden Instinkt eines Raubvogels hast.
Bleibe doch stehn! und gewähre mir Liebe! Denn all die Geschenke
Aphrodites hast du doch nur für ganz kurze Zeit.




Fittiche gab ich dir

Fittiche gab ich dir, daß du über unendliche Fluten
Fliegen kannst, so erhöht über die Länder der Welt:
Mühelos. Überall wirst du zu festlichem Schmaus und Gelage
Kommen als Gast und fort leben im Munde des Volks.
Singen werden von dir zum Spiel helltönender Flöten
Jünglinge, festlich geschmückt, lieblich und herrlich zugleich.
Wenn du dann auch durch dunkle Schlünde des Erdreiches stiegest
In den Hades hinab, ewig von Klagen umtönt:
Nie wird der Ruhm dir entgehn, auch im Tod nicht, sondern den Menschen
Wird dein Name gewiß immerdar bleiben im Sinn,
Kyrnos, ob du nun ziehst durch die griechischen Länder und Inseln,
Oder du steuerst das Schiff durch das fischreiche Meer.
Nicht der Rücken von Rossen, nein, veilchenbekränzter Musen
Wunderbares Geschenk trägt dich herrlich dahin.
Allen fürwahr, die Gesang auch in künftigen Zeiten noch lieben,
Bleibt dein Name, solang Erde und Himmel bestehn.
Dennoch erlange von dir ich nicht die geringste Verehrung.
Gleich als wär ich ein Kind, täuschest mit Worten du mich.


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