Autor:
Claude le Petit (1638 - 1662)

Werk:
"Sonett"

Übersetzung:
Doris Plattner und Michael Lim, Köln 1994

Quelle:
Cécile Beurdeley: "L'Amour Bleu", Köln 1994



Claude le Petit ist der Autor mehrerer satirischer und obszöner Werke, darunter auch "Le Bordel des Muses ou les Neuf Pucelles Putains, Caprice Satirique de Théophile le Jeune" (Das Bordell der Musen, oder die neun jungfräulichen Huren, eine satirische Kaprize von Théophile dem Jüngeren). Als er dieses provozierend zynische Sonett schrieb, konnte er nicht ahnen, daß er einige Monate später das gleiche Schicksal erleiden würde. Nachdem die Polizei auf ihn aufmerksam gemacht worden war, konfiszierte sie einen Teil seiner Schriften; das Gericht beschloß, Le Petit solle zuerst die rechte Hand abgehackt werden, und dann sei er auf der Place de Greve zu verbrennen. Vor seinem Tod bat der Dichter darum, noch einmal mit dem Baron Schildebeck sprechen zu dürfen, den er in Deutschland kennengelernt hatte. Er enthüllte ihm ein Versteck, wo sich eine Sammlung seiner Schriften befand und nahm ihm das Versprechen ab, diese zu veröffentlichen. Darauf sah er dem Tod "mit der gespielten Standhaftigkeit entgegen, die er in so ungehöriger Weise bei jenem anderen Unglücklichen mit den gleichen Neigungen bewundert hatte", schreibt Jean Rou. Das endgültige Urteil bestätigte den Spruch der Richter und verfügte, Claude le Petit "soll heimlich erdrosselt werden, bevor er verbrannt wird." Die Formel, die üblicherweise ein solches Urteil abschloß, lautete: "So barmherzig ist die Gerechtigkeit!"



Sonett

Freund, man hat den unglücklichen Chausson verbrannt,
Diesen so berühmten Bock, mit seinem frisierten Kopf;
Durch seinen Tod ist er unsterblich geworden:
Niemals ist einer auf seltsamere Art gestorben.

Er sang mit fröhlicher Stimme das Trauerlied
Und zog, ohne zu erbleichen, das gestärkte Hemd an,
Und vom feurigen Holzstoß des brennenden Scheiterhaufens
Sah er dem Tod furchtlos und ohne Zittern entgegen.

Vergeblich mahnte ihn sein Beichtvater noch in den Flammen,
mit dem Kruzifix in der Hand, an seine Seele zu denken;
Am Fuße des Pfahles, als das Feuer ihn verschlungen hatte,

Streckte der Schändliche dem Himmel sein unreines Hinterteil entgegen:
Und um zu sterben, wie er gelebt hatte,
Zeigte der Schuft der ganzen Welt seinen Arsch!

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