Autor:
Denis de Saint-Pavin (1595 - 1670)

Werk:
"Auf den Magister Vigeon" (Sur Vigeon)

Übersetzung:
Heinrich Detering, Frankfurt/M. 1994

Quelle:
Joachim Campe (Hg.) "Matrosen sind der Liebe Schwingen", Frankfurt/M. 1994



Saint-Pavin kam als Sohn der Madame des Essarts und des Kardinals de Guise zur Welt. Er war Abt und geistlicher Berater Ludwigs XIV. Sich selber legte er freilich einen ganz ungeistlichen Titel zu: "Le Roy de Sodome" (König von Sodom). In dem zu Lebzeiten unveröffentlichten Sonett "Auf den Magister Vigeon" proklamiert er nicht nur das Recht auf Homosexualität für alle - bis auf die Könige, die für den Bestand der Dynastien zu sorgen hätten; er ruft sogar zum Kampf gegen das bestehende Recht auf: In der barocken Sprache Sodoms natürlich.



Auf den Magister Vigeon, den man wegen Sodomie verbrannte

Wie tausendfach, Vigeon, macht mir dein Sterben Pein:
Ist es für einen Schwanz doch tausendfache Not,
Wenn er in Frankreich lebt, wo man mit Feuertod
bestraft, was sich nur schickt bei Königen allein.

Befehlt doch wenigstens, daß sauber nur und rein
Die Frauen künftig sind! Ihr Richter, wollt ihr gut
Den armen Schwänzen tun, so laßt der Weiber Fut
Ein wenig enger noch und frei von Blutung sein.

Ihr Sodomiten, die ihr ihn dort saht, fast nackt,
Im Hemd, hat euch da nicht die Raserei gepackt,
Was hielt euch da zurück, so geil schon, so bereit?

Was nützt das Salve ihm? Er ist gleichwohl verbrannt.
Ja, hättet ihr doch nur, die Waffe in der Hand,
Den Feuerberg gestürmt: Ihr hättet ihn befreit.

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