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NOSFERATU
eine  Symphonie  des  Grauens






Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch:  Henrik Galeen nach dem Roman Dracula von Bram Stoker
Kamera:  Fritz Arno Wagner, Günther Krampf
Ausstattung:     Albin Grau
Musik:  Hans Erdmann
Darsteller:


Max Schreck (Graf Orlok/Nosferatu), Gustav von Wangenheim (Thomas Hutter), Greta Schroeder (Ellen, seine Frau), Alexander Granach (Häusermakler Knock), Max Nemetz (Schiffskapitän), John Gottowt (Professor Bulwer), Wolfgang Heinz (Maat), Georg Heinrich Schnell (Reeder), Ruth Landshoff (Annie, seine Frau), Gustav Botz (Dr. Sievers), Albert Venohr (Matrose), Hardy von François (Arzt im Krankenhaus), Guido Herzfeld (Wirt), Karl Ettlinger, Heinrich Witte

Produktion:  Prana-Film
Drehzeit: Sommer 1921
Drehort: Wismar, Lübeck, Lauenburg, Rostock, Schloß Oravsky (Karpaten), Tegeler Forst
Premiere:  4. 3. 1922, Primus Palast, Berlin
Länge:  1967 Meter (85 Minuten)



Die Idee zu dem Film stammt angeblich von Albin Grau. Ein serbischer Bauer hatte ihm im Kriegswinter 1916 von seinem Vater erzählt, der ein Vampir gewesen sei. Die Geschichte lieferte dann der Roman von Bram Stoker (die Namen wurden aus urheberrechtlichen Gründen geändert):

Ein jungverheiratetes Paar, Thomas und Ellen Hutter, lebt glücklich in der Hafenstadt Wisborg. Hutter arbeitet bei dem kauzigen Häusermakler Knock, der ihn beauftragt, nach Transsylvanien zu reisen und dem Grafen Orlok ein Haus in Wisborg zu verkaufen: Sie können einen schönen Batzen Geld verdienen... Es kostet zwar ein wenig Mühe... ein bißchen Schweiß und vielleicht ein wenig Blut...! Hutter ist seltsam beklommen, aber schließlich siegt die Freude über die Reise.

Sein Weg führt ihn zu den Bergen der Karpaten. Dort wenden sich die Leute erschreckt ab, als er sein Reiseziel nennt. In einem Gasthaus findet er ein Buch über Vampire und Geister. Am nächsten Tag steckt er das Buch in sein Gepäck, obwohl er es zunächst nicht ernst genommen hatte. Auf der Hälfte der Wegstrecke weigert sich der Kutscher weiterzufahren. Nachdem Hutter eine Weile zu Fuß weitergegangen ist, kommt ihm eine schwarze Kutsche entgegen. Sie bringt ihn in rasender Fahrt bis vor das Schloß des Grafen, dann prescht sie weiter.

Wie von Geisterhand öffnen sich alle Türen vor dem staunenden Hutter, bis er vor dem düsteren Grafen steht. Hutter wird von Graf Orlok begrüßt und bewirtet. Als der Graf ein Bild von Hutters Frau sieht und erfährt, daß jenes Gebäude, das zum Verkauf steht, sich genau gegenüber dem Hutter' schen Haus befindet, beschließt er nach Wisborg zu reisen. Am nächsten Morgen findet Hutter sich in seinem Zimmer eingeschlossen. Aus dem Fenster sieht er, wie Orlok Särge auf einen Wagen schichtet; nachdem er sich selbst in den obersten Sarg gelegt hat, rast der Wagen von dannen. Hutter flieht aus dem Fenster und tritt in Panik die Heimreise an. Nosferatu gelangt mit seinen Särgen auf ein Schiff und segelt übers Meer; unterwegs bringt er die gesamte Besatzung um.

Nosferatu und Hutter gelangen auf verschiedenen Wegen fast gleichzeitig nach Wisborg. Der Graf richtet sich in seinem neuerworbenen Hause ein. Mit seinem Kommen hat sich die Pest in die Stadt geschlichen. Ellen ahnt die Zusammenhänge, denn sie hat im Reisegepäck ihres Mannes das Vampirbuch gefunden; darin liest sie diesen Satz: Wenn ihm eine furchtlose, unschuldige Frau den ersten Hahnenschrei vergessen macht, zerfällt er im Licht. Sie beschließt, sich dem Grafen hinzugeben. Ellen bittet ihren Mann, einen befreundeten Arzt zu besuchen, um alleine zu sein. In der Nacht fühlt sie, wie der Vampir näher kommt. Nosferatu beugt sich über ihren Hals und merkt zu spät in welcher Gefahr er schwebt - die Sonne geht auf und Nosferatu ist verloren. Auch Ellen muß sterben, jedoch nicht umsonst: Die Pest verläßt die Stadt.



Dieser Film, eine der klassischen Tyrannengeschichten des deutschen Expressionismus, reflektiert das entmutigende Gefühl, unergründlichen Mächten hoffnungslos ausgeliefert zu sein, was charakteristisch war für die chaotische Zeit der Nachkriegsjahre. Dieser depressiven Stimmung entsprach auch ein Hang zum Geisterglauben und Okkultismus. Die Figur von Murnaus spinnenfingrigem, hohlwangigem Vampir mit dem kahlen Schädel und den Fledermausohren ist der Vorgänger einer Unzahl von Dracula- und Frankenstein-Verfilmungen geworden. Murnau benutzte ganz gegen expressionistische Konvention Originaldrehorte: Wälder und Wege in den Karpaten, das Schloß der Oravskis aus dem 13. Jahrhundert und die Getreidespeicher in Lübeck. Regie und Kamera erreichten eine erstaunliche Dämonisierung der Landschaft, die den Stil dieses außergewöhnlichen Films mitbestimmt. Durch eingeschnittene Negative vermittelte Murnau den Eindruck eines weißen Gespensterwaldes, durch Einzelbildschaltung entstand der Effekt unnatürlich ruckartiger Bewegungen der wie mit Geisterhand vorwärtsgestoßenen Kutsche. In der Natur nutzte er dräuende Schatten, sturmgebeugte Bäume, jagende Wolken, schmale Wege, die sich im Unendlichen verlieren. Er betonte extreme Hell-Dunkel-Wirkungen der schwarzen Silhouette vor kalkweißer Wand, den Kontrast von Proportionen, wenn sich die hohe dürre Figur durch geduckte Rundbögen schiebt.

1978 drehte Werner Herzog als Hommage an Murnau seinen Film Nosferatu - Phantom der Macht mit Klaus Kinski in der Hauptrolle.



     Stimmen und Komentare:


Nosferatu ist ein böser Name, er beschwört die roten Lettern der Hölle - seine unheimlichen Einzelteile, fer, eratu und nos haben ein rotes unheilvolles Etwas wie der Film selbst (der von pulsierender Düsterheit ist), ein Meisterwerk des alptraumhaften Horrors, phantastisch fotografiert in den alten körnigen Braun-Schwarz-Weiß Tönen (...)

Jack Kerouac (New Yorker Film Society, Januar 1960)


(...) Einige Wochen lang wiederholten wir uns, wie einen reinen Ausdruck konvulsivischer Schönheit, jenen französischen Zwischentitel, den Murnau sicher nicht kannte: Passé le pont, les fantômes vinrent à sa rencontre. (Sobald er die Brücke überquert hatte, begegneten ihm die Geister)

Georges Sadoul


(...) Denkt man an die unzähligen Erfindungen in Nosferatu, an die schwarze Kutsche in den Bergen, an die Brücke der Phantome, an die Pferde, die in der Morgendämmerung auf der Weide schnauben, an das dahingleitende schwarze Schiff, das den Vampir übers Wasser des einsamen Kanals trägt, so ist man versucht zu glauben, daß die Regisseure den Sinn fürs Phantastische verloren haben und daß Murnau der einzige war, der es verstand, einen Film dieses Genres zu machen.

Julien Green (Tagebuch, 12. Oktober 1932)


Nie gibt Murnau der Bequemlichkeit oder dem modischen Effekt nach. Das schließt den direkten, vertrauten Zugang zu den Dingen, zu den vom Regisseur in sein Licht getauchten und im Wirbel der Bewegungen davongetragenen Wesen nicht aus. Sie existieren intensiver als in irgendeinem anderen Film. Man ist mit ihnen auf einer Ebene, fast glaubt man, sie berühren zu können, so sehr scheinen sie aus der Leinwand herauszutreten. Angst verbreitet Nosferatu durch die Intensität seiner Gegenwart - nicht, wie Dreyers Vampir, durch geheimnisvolle Abwesenheit. (...)

Eric Rohmer (1977)



     Bilder:

Thomas und Ellen Hutter //   der Häusermakler Knock //   ein verschlüsselter Brief //   Knock und Hutter //   Ellen beim Abschied//   die Karpaten //   eine fleischfressende Pflanze //   ein Buch über Vampire //   die schwarze Kutsche //   der erstaunte Hutter //   Orlock empfängt Hutter //   die beiden stehen sich gegenüber //   der Graf sieht Ellens Bild //   das Segelschiff //   der Maat und Nosferatu //   die Pestratten //   Nosferatus Ankunft //   eine Szene in Wisborg //   Nosferatu in seinem neuen Haus //   der Blick auf die andere Seite //   Er kommt zu ihr //   Ellen spürt Nosferatus Nähe //   Der Schatten vor Ellens Tür //   Nosferatu beugt sich über ihr //   der erste Hahnenschrei //   Nosferatus Ende

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