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Der Knabe in Blau   Satanas   Der Bucklige und die Tänzerin



Der Januskopf   Abend... Nacht... Morgen   Sehnsucht



Der Gang i. d. Nacht   Marizza, gen. d. Schmugglermadonna   Schloß Vogelöd



Phantom   Die Austreibung   Die Finanzen des Großherzogs







Der Knabe in Blau





Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Hedda Hofman (unter den Pseudonym Edda Ottershausen)
Kamera: Carl Hoffmann
Ausstattung:    Willi A. Hermann
Darsteller:


Ernst Hoffmann (Thomas von Weerth), Blandine Ebinger (Zigeunerin), Karl Platen (Diener), Margit Barnay (Schauspielerin), Georg John (Zigeunerhauptmann), Leonhard Haskel, Rudolf Klix

Produktion: Ernst Hoffmann-Film, Berlin
Premiere: undatierbar (Murnau: Ich weiß nicht, ob dieser Film überhaupt aufgeführt wurde)
Länge: 1560 Meter


Der Knabe in Blau ist auf einem Bild dargestellt, das in einem alten, verfallenen Schloß hängt. Auf seiner Brust trägt er einen Smaragd. Man nennt ihn den Todessmaragd, weil er der Familie von Weerth, der das Schloß gehört, immer nur Unheil gebracht haben soll. Schließlich hat ihn einer der Weerths irgendwo im Schloß versteckt, um den Bann zu brechen. Der letzte Sproß der Sippe, Thomas von Weerth, versenkt sich oft in die Betrachtung des Bildes, schließlich glaubt er eine Wiederverkörperung des Knaben in Blau zu sein. Er sucht und findet den Todessmaragd. Der Fluch erfüllt sich an ihm: eine Gauklertruppe kommt ins Schloß, raubt es aus und brennt es nieder. Thomas von Weerth ist geistig und körperlich gebrochen. Die Liebe einer schönen Schauspielerin führt ihn ins Leben zurück.

Murnaus Erstlingswerk, wie andere seiner Frühwerke spurlos verschollen, im Unterschied zu anderen verlorenen Filmen aber nicht einmal in Kritiken der Zeit dokumentiert. Ein recht banales Sujet; aber man spürt, was Murnau gereizt hat: die mystische Verbindung zu dem Bild und vor allem die Traumszene (Lotte H. Eisner: Murnau, 1967). In dieser Traumszene steigt der Knabe aus dem Bild und führt Thomas zu dem Smaragden.






Satanas

Ein Film in drei Episoden:
Der Tyrann - Eine Tragödie aus der Pharaonenzeit

Der Fürst - Lucrezia Borgias Tod
Der Diktator - Der Sturz eines Volkstribuns





Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Robert Wiene
Kamera: Karl Freund
Ausstattung:    Ernst Stern
Darsteller:


Conrad Veidt (Der Weise von Elu/ Gubetta/ Dr. lwan Grodski), Fritz Kortner (Pharao Amenhotep), Sadjah Gezza (Nouri), Ernst Hofmann (Jarob), Margit Barnay (Phahi), Else Berna (Lucrezia Borgia), Kurt Ehrle (Gennaro), Jaro Fürth (Rustinghella), Ernst Stahl-Nachbaur (Fürst Alfonso d'Este), Martin Wolfgang (Hans Conrad), Marija Leiko (lrene), Elsa Wagner (seine Mutter), Mac Kronert (sein Vater)

Produktion: Viktoria-Film, Berlin
Drehzeit: September/ Oktober 1919
Drehort: Atelier Neubabelsberg
Premiere: 30. 1. 1920, Richard Oswald-Lichtspiele, Berlin
Länge: 2561 Meter


Luzifer der Todesengel führt die Menschen in ihr Schicksal. Im alten Ägypten macht er als Eremit, genannt Der Weise von Elu, einen einfachen Hirten zum Geliebten der Frau des Pharao; dann benutzt er Nouri, die Schwester Jarobs, die zur Geliebten des Pharao aufgestiegen ist, zur Entdeckung des Ehebruchs; der Pharao läßt Jarob und Nouri hinrichten. Im Italien der Renaissance stiftet er als Gubetta, ein spanischer Abenteurer, das Verhältnis zwischen dem jungen Gennaro und Lucrezia Borgia, die, was beide nicht ahnen, Gennaros Mutter ist; durch ein Netz von Intrigen werden beide dazu gebracht, sich gegenseitig zu töten; sterbend erfahren sie ihr Geheimnis. Im Zürich von 1919 macht er als bolschewistischer Agitator Iwan Grodski den Studenten Hans zum Revolutionsführer, der den gewaltsamen Tod seiner eigenen Eltern verschuldet und selbst elend zugrunde geht.

Murnaus zweiter Film, verglichen mit Fritz Langs thematisch und strukturell verwandtem Müden Tod, der zwei Jahre später entsteht, ein eher Munterer Tod; immerhin plagt auch diesen Luzifer ein Leid, sein Heimweh nach dem himmlischen Licht. Der Film ist verschollen, die zeitgenössischen Kritiken sind nicht sehr aufschlußreich. Das Bildhaft-Künstlerische ist dem Spielleiter Murnau durchaus gelungen (Licht-Bild-Bühne, 1919).






Der Bucklige und die Tänzerin





Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Carl Mayer, nach seinem Manuskript Der grüne Kuß
Kamera: Karl Freund
Ausstattung:    Robert Neppach
Darsteller:


Sascha Gura (Gina), John Gottowt (James Wilton), Paul Biensfeldt (Smith), Anna von Palen (Smith's Mutter), Henri Peters-Arnolds (Percy), Bella Polini (eine Tänzerin)

Produktion: Helios-Film, Berlin (Erwin Rosner)
Premiere: 9. 7. 1920, Marmorhaus, Berlin
Länge: 1540 Meter


James Wilton, mit Armut und einem Buckel geschlagen, kehrt von einer Java-Reise mit allerhand Reichtümern und einem geheimnisvollen Schönheitselixier zurück. Er begegnet der Tänzerin Gina, die sich mit ihrem ältlichen Liebhaber Smith verkracht hat, und gibt ihr von dem Elixier. Gina söhnt sich mit Smith aus und verlobt sich mit ihm. Als ihr Elixier aufgebraucht ist, bittet sie den Buckligen um mehr, und der eifersüchtige Wilton mischt dem neuen Präparat ein Dunstgift bei, gegen das er Gina immun gemacht hat, das aber jeden, der ihre Lippen berührt, töten wird. Smith stirbt unter seltsamen Krämpfen. Gina schöpft Verdacht. Als sich die Vergiftungssymptome bei ihrem nächsten Liebhaber, Percy, zeigen, eilt sie zu Wilton. Der völlig von seiner Leidenschaft für Gina besessene Bucklige zwingt ihr einen Kuß ab. Durch ein Gegengift will er sich retten. Gina entreißt ihm die Phiole und stürzt zu ihrem Geliebten. Wilton stirbt.

Die erste Zusammenarbeit von F. W. Murnau und Carl Mayer. Ein Autor hatte seinen Regisseur gefunden, aber ironischerweise meinte die Presse, mit seinem Caligari-Regisseur wäre Mayer besser bedient gewesen. Etwas angemessener scheint uns die folgende Kritik des Kinematograph, eingeleitet durch eine Hymne auf den Darsteller des Buckligen, John Gottowt, einem Spezialisten für derartige Rollen, berühmt geworden durch seinen unheimlichen Scapinelli aus Wegeners Student von Prag. Er schuf aus dem Buckligen eine lebensechte Gestalt, rührend in dem gequälten Ausdruck der Gesichtszüge, in dem verschüchterten Lächeln wie im Ausbruch der Verbitterung. In seinen Augen liegt die ganze Seele dieses armen Ausgestoßenen. Das Gegenstück, Sascha Gurna, erstrahlend in Schönheit, lebenssprühend, eine kalte. Raffinierte Kokotte. Kostbar wie ihre Toiletten ist die ganze Ausstattung des Films. Sowohl die exotische Pracht in den Räumen des Buckligen wie die Wohnung der Tänzerin und die elegante Diele, in der sie auftritt, zeugen von erlesenem Geschmack und sind eine Augenweide. Der Film ist verschollen.






Der Januskopf - Eine Tragödie am Rand der Wirklichkeit





Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Hans Janowitz, nach dem Roman Dr. Jekyll and Mr.Hyde von Robert Louis Stevenson
Kamera: Karl Freund, Carl Hoffmann
Ausstattung:    Heinrich Richter
Darsteller:


Conrad Veidt (Dr. Warren/ Mr. O'Connor), Magnus Stifter (sein Freund), Margarete Schlegel (Grace), Béla Lugosi, Willy Kaiser-Heyl, Margarete Kupfer, Gustav Botz, Jaro Fürth, Marga Reuter, Hans Lanser-Ludolf, Danny Gürtler

Produktion: Goron-Film für Decla-Bioscop, Berlin
Drehzeit: Februar/ März 1920
Premiere: 26. 8. 1920, Marmorhaus, Berlin
Länge: 2220 Meter


Der Arzt Dr. Warren vermacht testamentarisch sein ganzes Vermögen einem gewissen O'Connor, den niemand kennt. Dann wird ein O'Connor als Urheber verschiedener grausamer Verbrechen notorisch. Schließlich stellt sich heraus, daß Warren und O'Connor dieselbe Person sind. Dr. Warren hat ein Elixier erfunden, das es ihm ermöglicht, das Gute und das Böse im Menschen zu trennen; er kann sich beliebig vom guten Warren in den bösen O'Connor und wieder zurückverwandeln. Eines Tages fehlt ihm das Mittel zur Rückverwandlung; nun muß er O'Connor bleiben. Von der Polizei gejagt, bringt er sich um.

Die Doppelgänger-Obsession des deutschen Stummfilms, diesmal betrieben nach dem klassischen Doppelgänger-Fall der englischen Horror-Literatur, Stevensons Dr. Jekyll and Mr. Hyde. Wie bei Murnaus späterem Nosferatu, der auf Bram Stockers Dracula zurückgeht, wurden die Namen der Figuren geändert, um den Rechte-Erwerb der Vorlagen zu sparen. Der Film ist verschollen, aber den Kritiken der Zeit nach zu schließen, steht Conrad Veidt in der spezifisch Hyde'schen Verwandlungskunst den berühmten späteren Interpreten der Rolle, John Barrymore, Fredric March und Spencer Tracy, in nichts nach. Die ganz auf Sensation gestellte Handlung ist packend von Anfang bis Ende. Der Regisseur F. W. Murnau kam den stark phantastischen Ideen des Autors gut entgegen. Die, wenn man so sagen kann, bei offener Szene eintretenden Verwandlungen sind ein technisches Meisterstück von vollendeter Wirkung. (Der Kinematograph, 1920). Der Januskopf dürfte auch das Horrorfilm- Debüt von Bela Lugosi darstellen, der auf seinem Weg vom heimatlichen Ungarn nach Hollywood, dessen berühmtester Dracula er wurde, einige Zeit in Berlin Station machte.









Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Rudolf Schneider-München
Kamera: Eugen Hamm
Ausstattung:    Robert Neppach
Darsteller:


Bruno Ziener (Cheston), Gertrud Welcker (Maud), Conrad Veidt (Brilburn), Carl von Balla (Prince), Otto Gebühr (Ward)

Produktion: Decla-Bioscop, Berlin
Drehzeit: Juni/ Juli 1920
Drehort: Atelier Weißensee
Premiere: 24. 9. 1920, Decla-Lichtspiele, Unter den Linden, Berlin
Länge: 1713 Meter


Zwei bessere Gauner, Brilburn und Prince, versuchen, ein Perlencollier an sich zu bringen, das der Millionär Chester für seine Geliebte Maud, Brilburns Schwester, gekauft hat. Die kriminelle Aktion kostet Chester um ein Haar das Leben. Detektiv Ward klärt den Fall auf.

Eines der verschollenen Frühwerke Murnaus. seine sechste Filmregie, eine banale Brotarbeit aus dem Genre der Detektivfilme. Viele Menschen empfanden selbst den mittelmäßigen Detektivfilm gemessen an den gebräuchlichen Kitschrührdramen - als eine geistige Erlösung. und dies um so mehr, als mancher Detektivfilm nicht nur aufregend. sondern sogar belustigend war (Oskar Kalbus: Vom Werden deutscher Filmkunst, 1935). Nach den Kritiken der Zeit darf man annehmen, daß der Film deutlich über das Mittelmaß der Ware hinausragte, wenn auch nicht gerade in seiner Lustigkeit.






Sehnsucht



Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Carl Heinz Jarosy
Kamera: Carl Hoffmann
Ausstattung:    Robert Neppach
Darsteller:


Conrad Veidt (Tänzer), Gussy Holl (Großfürstin), Eugen Klöpfer, Margarete Schlegel, Paul Graetz, Helene Gray, Danny Gürtler, Albert Bennefeld, Marcela Gremo, Ellen Bolan

Produktion: Lipow-Film, Berlin
Premiere: undatierbar (Zensurdatum: 18. 10. 1920)
Länge: 1765 Meter


Die unglückliche Liebe eines russischen Tänzers zu einer Großfürstin. Murnaus dritter Film, ein verschollenes Werk, zeitgenössische Kritiken kaum dokumentiert. Nicht einmal der Inhalt ist eindeutig zu klären.






Der Gang in die Nacht



Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Carl Mayer, nach dem Filmszenarium Der Sieger von Harriet Bloch
Kamera: Max Lutze
Ausstattung:    Heinrich Richter
Darsteller:


Olaf Fönss (Dr. Eigil Boerne), Erna Morena (Helene), Gudrun Bruun-Steffensen (Lily), Conrad Veidt (Der Maler), Clementine Plessner

Produktion: Goron-Filme
Drehzeit: August/ September 1920
Premiere: 21. 1. 1921, Richard Oswald-Lichtspiele, Berlin
Länge: 1927 Meter


Der Augenarzt Dr. Eigil Boerne wird von der Tänzerin Lily verführt und verläßt seine Verlobte Helene. Mit Lily zieht er sich in ein Fischerdorf zurück; dort lernen sie einen blinden Maler kennen. Boerne heilt ihn und verliert Lily an ihn. Verbittert kehrt er in die Stadt zurück, auch von Gewissensbissen gequält wegen des Kummers, den er Helene verursacht hat. Eines Tages taucht Lily wieder bei ihm auf und bittet ihn, dem Maler noch einmal zu helfen; er ist wieder erblindet. Da Boerne seiner einstigen Geliebten alle Schuld an seinem Elend gibt, sagt er in seiner Erregung: Töte dich! Dann rette ich ihn! Lily bringt sich um. Der Maler erklärt Boerne, alles, was er auf der Welt habe sehen wollen, sei Lily gewesen. Er will nicht mehr geheilt werden, geht seinen Gang in die Nacht. Boerne wird tot an seinem Schreibtisch aufgefunden.

Nach Der Bucklige und die Tänzerin die zweite Zusammenarbeit von Regisseur Murnau und Autor Mayer. Willy Haas, ein Jahr später, beim Brennenden Acker, selbst Murnaus Mitautor, schrieb im Film-Kurier: Wo hört hier die Kunst des Verfassers auf, wo beginnt die des Regisseurs, und wo die der Schauspieler. Man weiß es nicht. Alles ist ineinander gewachsen; alles geht ineinander über. Alles ist, es gibt keinen anderen Ausdruck, vollendet.






Marizza, genannt die Schmugglermadonna





Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Hans Janowitz, nach dem Manuskript Grüne Augen von Wolfgang Geiger
Kamera: Karl Freund
Ausstattung:    Heinrich Richter
Darsteller:


Tzwetta Tzatschewa (Marizza), Adele Sandrock (Frau Avricolas), Harry Frank (ihr ältester Sohn Christo), Hans Heinrich von Twardowski (ihr zweiter Sohn Antonino), Leonhard Haskel (Pietro Scarzellas), Greta Schroeder (Sadja, seine Tochter), Maria Forescu (Yelina), Albrecht von Blum (Mirko Vasics), Max Nemetz (Grischuk), Toni Zimmerer (Haslinger)

Produktion: Helios-Film, Berlin (Erwin Rosner)
Drehzeit: Oktober 1920
Drehort: Jofa-Ateliers, Johannistal
Premiere: 20. 1. 1921, Johann-Georg-Lichtspiele, Berlin
Länge: 1735 Meter


Marizza macht die Grenzjäger verrückt, damit die Schmuggler ihre Ware ungefährdet über die Grenze bringen können. Als sie dieses Leben satt hat, sucht und findet sie Arbeit auf dem Gut der Frau Avricolas. Sie fängt mit beiden Söhnen der alten Dame, Christo und Antonino, ein Verhältnis an. Von Christo bekommt sie ein Kind. Sie wird fortgejagt. Antonino folgt ihr. Als sie sich wieder auf die Schmuggelei einlassen, kommt es zu einem Zusammenstoß zwischen Antonino und dem Grenzjäger Haslinger. Um den Geliebten zu retten, tötet Marizza den Grenzjäger. Sie wird gejagt. Eine Hütte, in der sie ihr Kind gelassen hat, fängt Feuer. Sie stürzt sich in die Flammen, um das Kind zu retten. Christo bringt Mutter und Kind in Sicherheit.

Eines der verschollenen Frühwerke Murnaus. Mit Marizza begann die Reihe der Kammerspiele in bäuerlichem Milieu, die Murnau weltberühmt machen werden; es ist der Auftakt zum Brennenden Acker, Austreibung und endlich Sunrise (Lotte H. Eisner: Murnau, 1967).






Schloß Vogelöd - Die Enthüllung eines Geheimnisses





Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Carl Mayer, nach dem gleichnamigen Roman von Rudolf Stratz
Kamera: Fritz Arno Wagner, Laszló Schäffer
Ausstattung:    Hermann Warm
Beratung: Graf Montgelas
Darsteller:


Arnold Korff (Schloßherr von Vogelschrey), Lulu Kyser-Korff (Centa von Vogelschrey), Lothar Mehnert (Graf Johann Oetsch), Paul Bildt (Baron Safferstätt), Olga Tschechowa (Baronin Safferstätt), Paul Hartmann (Graf Peter Paul Oetsch), Hermann Vallentin (Landgerichtsrat a.D.), Julius Falkenstein (Der ängstliche Herr), Georg Zawotzky (Der Küchenjunge) Robert Leffler (Majordomus), Victor Blütner (Pater Faramund), Walter Kurt Kuhle (Diener), Loni Nest (Kleines Mädchen)

Produktion: Uco-Film der Decla-Bioscop
Drehzeit: Februar/ März 1921
Drehort: Atelier Neubabelsberg
Premiere: 7. 4. 1921, Marmorhaus, Berlin
Länge: 1625 Meter


Jagdgesellschaft auf Schloß Vogelöd. Unter den Jagdgästen ist die Baronin Safferstätt mit ihrem zweiten Mann. Zu ihrer Verärgerung und zur Irritation der ganzen Gesellschaft erscheint ein ungeladener Gast, Graf Johann Oetsch; er steht im Verdacht, seinen Bruder, den ersten Mann der Baronin Safferstätt, Graf Peter Paul Oetsch, erschossen zu haben. Schließlich trifft noch ein weiterer Gast ein. der nicht geladen war und den niemand kennt; er stellt sich als Pater Faramund aus Rom und als Verwandten des ermordeten Peter Paul Oetsch vor. Abends vertraut die Baronin Safferstätt dem Pater die konfliktreiche Geschichte ihrer ersten Ehe an: Peter Paul Oetsch war plötzlich derart religiös geworden, daß er von irdischer Liebe und weltlichem Besitz nichts mehr wissen wollte; in ihrer Verwirrung fühlte sie sich zum Bruder ihres Mannes, Graf Johann, hingezogen; es kam zum Streit zwischen den Brüdern; dann wurde Graf Peter Paul erschossen aufgefunden. Völlig erschöpft bricht die Baronin ihre Beichte hier ab. Am nächsten Morgen ist der Pater spurlos verschwunden. Als die Baronin den Grafen Johann nun ganz offen des Mordes an ihrem ersten Mann beschuldigt, gibt es für die anderen Gäste keinen Zweifel mehr, daß er auch den Pater umgebracht hat. Graf Johann macht nicht den geringsten Versuch, sich zu rechtfertigen und sagt nur einmal beiläufig zu dem Baron Safferstätt, dieser sei ein Mörder, jedenfalls habe er das geträumt. So unerklärlich, wie er verschwunden ist, taucht Pater Faramund wieder auf. Die Baronin setzt ihre Beichte fort: Baron Safferstätt habe Graf Johann erschossen, weil er sie liebte und weil sie ohne wirklich böse Absicht einmal gesagt habe: Ich möchte Böses sehen - einen Mord. Die Baronin glaubt diese Enthüllung als Beichtgeheimnis gut aufgehoben. Der Pater aber geht zum Baron, legt Kutte, Bart und Perücke ab und entpuppt sich als Graf Johann Oetsch. Der ein Doppelspiel spielte, um die Wahrheit über den Tod seines Bruders aufzudecken. Der Baron erschießt sich. Die Baronin ertränkt sich in einem Weiher. Die Jagdgäste bitten den Grafen Johann um Verzeihung. Nachts im Mondschein stellt sich noch ein neuer Besucher auf Schloß Vogelöd ein - der wirkliche Pater Faramund.

Zweimal sind aus den seinerzeit ungeheuer populären Forsetzungsromanen der Berliner illustrierten, die dann auch als Ullstein-Bücher Riesenauflagen erlebten, Filme geworden, die ihre Vorlagen weit überragen. Der eine dieser Romane war Dr. Mabuse von Norbert Jacques, der andere Schloß Vogelöd von Rudolf Stratz, ein Werk, bei dessen Verfilmung so atemberaubend schnell verfahren wurde (16 Drehtage!), daß man die Premiere schon vor Schluß des Abdrucks feiern konnte. Es ist 1921, das Murnausche Universum nimmt Gestalt an, und ich stelle mir vor, daß die frustrierte Stimmung dieser von der deutschen Konterrevolution berührten Salons nur als Vorwand einer ganz anderen Auseinandersetzung dient: der Dekor dient als Modell einer Seelenlandschaft, in der die Figuren von gezügelten Leidenschaften bewegt werden und große Nüchternheit eine durchweg sachliche Inszenierung bestimmt: tragische Konversationen im Abendanzug, raffiniert unterbrochen durch Blicke auf Seen und Wälder (Charles Jameux, Positif 1966). Stil und Stimmung dieser Inszenierung sind im Drehbuch von Carl Mayer bereits bis ins Detail fixiert Hier die Drehbuchanweisung für die Szene Das Geständnis: Ein ganz tiefer hoher Saal. Nachmittags. Gesamter: Antik. Karg. Möbel kaum. Nur Wände! Und! Die Baronin. Gepreßt an eine Wand. Vor Entsetzen erstarrt. Sich verschließend einem Ruf. So steht sie da. Keuchend furchtbar. Und der Baron! Weitstehend von ihr. Gepreßt an die andere Wand. Sein Antlitz namenlos empor. So steht auch er. Reglos.






Phantom





Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Thea von Harbou, Hans Heinrich von Twardowski, nach dem Roman von Gerhart Hauptmann
Kamera: Axel Graatkjaer, Theophan Ouchakoff
Ausstattung:    Hermann Warm, Erich Czerwonski, Vally Reinecke
Musik: Leo Spiess
Darsteller:


Alfred Abel (Lorenz Lubota), Frida Richard (Lubotas Mutter), Aud Egede Nissen (Melanie), Hans Heinrich von Twardovski (Hugo), Karl Ettlinger (Starke), Lil Dagover (Marie), Grete Berger (Frau Schwabe), Anton Edthofer (Wigottschinski), Ilka Grüning (Baronin), Lya de Putti (Melitta, ihre Tochter), Adolf Klein (Harlan), Olga Engl (seine Frau), Heinrich Witte (Amtsdiener)

Produktion: Uco-Film der Decla-Bioscop, Berlin
Drehzeit: Mai/ August 1922
Drehort: Atelier Neubabelsberg
Premiere: 10. 11. 1922, Decla-Lichtspiele, Düsseldorf
Länge: 2905 Meter


Lorenz Lubota ist Stadtschreiber, er sorgt für seine Mutter und seine Geschwister. Er ist ein Träumer, liest viel und schreibt selbst Gedichte. Seine unerreichbare Liebe ist Veronika Harlan, die Tochter eines reichen Eisenwarenhändlers. Ermutigt durch das Versprechen des Buchbinders Starke, der für seine Gedichte einen Verleger finden will, glaubt er schon, ein großer Dichter zu sein. Er leiht sich von seiner Tante, der Pfandleiherin Schwabe, Geld, um sich für seine Karriere herauszustaffieren. Dann bittet er den Eisenwarenhändler um die Hand der Angebeteten, wird aber für verrückt gehalten und hinausgeworfen. In einem Weinlokal trifft er Melitta, die Veronika Harlan tauschend ähnlich sieht. Für sie gibt er viel Geld aus, weil er glaubt, so das Phantom seiner Liebe vergessen zu können. Das Geld bekommt er von seiner Tante. Ein übles Objekt namens Wigottschinski überredet ihn zu einem Einbruch bei Frau Schwabe. Sie werden von ihr überrascht, und Wigottschinski schlagt sie tot. Beide werden verhaftet. Im Gefängnis findet Lorenz Lubota wieder in die Realität zurück. Als er entlassen wird, heiratet er Marie, die Tochter des Buchbinders, die wahrend der ganzen Zeit zu ihm gehalten hat.

Der Beitrag des deutschen Films zum Gerhart Hauptmann-Jahr 1922, uraufgeführt am 60. Geburtstag des Dichters Im besonderen die Hauptfigur, der taumelnde Mensch, der in aller Unschuld schuldig wird, tragt auf der Stirn ein Hauptmann'sches Fatum. Aber den Film dichtet heute der Regisseur ebenso sehr wie der Dichter. Nun, auch F.W Murnau ist hauptmannwürdig. Er hat Sinn für die seelische Zartheit, er sieht und liest die Tragödien der Physiognomie, er versteht sich aus dem Innern heraus auf die beseelte Landschaftsmalerei. Kein Zweifel: Hier liegt einer der allerfeinsten deutschen Filme vor, und manchmal riecht er sogar nach Gerhart Hauptmann (Stefan Grossmann, Das Tage-Buch, 1922). Der Film galt lange als verschollen, in den sechziger Jahren wurde er im Moskauer Filmarchiv wiedergefunden, allerdings in verstümmelter Form.






Die Austreibung





Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Thea von Harbou nach dem Bühnenstück von Carl Hauptmann
Kamera: Karl Freund
Ausstattung:    Rochus Gliese, Erich Czerwonski
Musik: Joseph Vieth
Darsteller:


Carl Goetz (Vater Steyer), Ilka Grüning (Mutter Steyer), Eugen Klöpfer (Sohn Steyer), Aud Egede Nissen (Ludmilla, seine Frau), Lucie Mannheim (Änne), Wilhelm Dieterle (Lauer), Robert Leffler (Pastor), Jacob Tiedtke (Gerichtsschreiber), Emilie Kurz (Schneiderin)

Produktion: Decla-Bioscop, Berlin
Drehzeit: Februar 1921
Drehort: Riesengebirge
Premiere: 23. 10. 1923, Ufa-Theater, Kurfürstendamm, Berlin
Länge: 1557 Meter


Auf einem einsamen Bauernhof lebt der Bauer Steyer mit seinen alten Eltern und Änne, seiner Tochter aus erster Ehe. Er heiratet die schöne, junge Ludmilla, die ihn aber nur seines Geldes wegen nimmt und ihn bald mit dem jungen Jäger Lauer betrügt. Um ihrem Geliebten näher zu sein, redet sie ihrem Mann zu, den Gasthof unten im Dorf zu kaufen. Er willigt ein und verkauft seinen Hof. Bald darauf merkt er den Betrug und erschlägt seinen Nebenbuhler.

Ähnlich wie Murnaus vorangegangene Filme Marizza (1921) und Der brennende Acker (1922) ein bäuerliches Kammerspiel. Den Stoff lieferte ein Bühnenstück von Carl Hauptmann, dem Bruder von Gerhart Hauptmann, Man muß immer wieder sagen, daß für solcherlei Themen die Erzählung und das Theater da sind, der Film will rasche Folge von stark durch Handlung bewegten Bildern. Psychologische Tragödien in engem Milieu müssen im Film zerdehnt, ermüdend wirken. So geschieht es auch diesmal, trotzdem Murnau einwandfreie, berückende Bilder aus Natur und Bauernstuben schuf und Klöpfer die dumpfe Gequältheit eines tierhaft verhaltenen Menschen prachtvoll strahlen ließ. Aber Aud Egede Nissen sollte niemals Bäuerin spielen. Trotz der reifen, sicheren Arbeit der Regieführung versagte der Film als Ganzes, weil zusammengeballte dramatische Gespanntheit hier in langen sanften Wellen verebbte (Kurt Pinthus, Das Tage-Buch, 1923) Die Prämissen von Pinthus' Filmästhetik sind nicht mehr die unseren; deshalb könnte es gut sein. daß wir den Film aus just den Gründen schätzen würden, die Pinthus' Mißbehagen hervorrufen - doch leider ist auch dieser Murnau-Film verschollen.






Die Finanzen des Großherzogs



Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Thea von Harbou, nach dem Roman von Frank Heller
Kamera: Karl Freund, Franz Planer
Ausstattung:    Rochus Gliese, Erich Czerwonski
Darsteller:


Mady Christians (Großfürstin Olga), Harry Liedtke (Don Ramon XX., Großherzog), Robert Scholz (Olgas Bruder, Großfürst), Alfred Abel (Philipp Collins), Adolphe Engers (Don Esteban Paqueno), Hermann Vallentin (Herr Binzer), Julius Falkenstein (Bankier Isaac), Guido Herzfeld (Markowitz), Ilka Grüning (Köchin Augustine), Walter Rilla (Luis Hernandez), Hans Hermann Schaufuss (Der bucklige Verschwörer), Georg August Koch (Der gefährliche Verschwörer), Max Schreck (Der unheimliche Verschwörer), Hugo Block, Robert Schulz

Produktion: Union/Ufa
Drehzeit: Mai/ Juni 1923
Drehort: Atelier Neubabelsberg, Tempelhof, Außenaufnahmen in Spalato, Cataro, Ragusa, Insel Arbe
Premiere: 7. 1. 1924, Ufa-Palast am Zoo, Berlin
Länge: 2483 Meter


Der hoffnungslos verschuldete jugendliche Herrscher eines Zwergstaates, Großherzog Ramon, lernt auf einer zu Sanierungszwecken unternommenen Auslandsreise eine russische Adelige, Großfürstin Olga, kennen. Die beiden halten sich gegenseitig für Hochstapler, was ihrer Liebe keinen Abbruch tut. Olga gerät in Bedrängnis, weil ihr Bruder sie mit einem ungeliebten Mann verheiraten will; der Großherzog, weil seine Untertanen angesichts der zerrütteten Staatsfinanzen eine Revolution veranstalten. Sie helfen sich gegenseitig aus dem Schlamassel, von einigen freiwilligen und unfreiwilligen Helfern unterstützt, Der sanierte Staat bekommt ein strahlendes Herrscherpaar.

Weitere Verfilmung 1934, Regie Gustav Gründgens, mit Victor de Kowa, Hilde Weissner, Heinz Rühmann. Beide Versionen werden ausführlich behandelt im Band Klassiker des Deutschen Tonfilms.



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