Autor:
Konstantinos Kavafis (1863, Alexandria - 1933, Alexandria)
Werke:
"Komm zurück", "eine Nacht", "Durch die Straßen",
"In den Kaschemmen", "So oft schon blickt ich"
Übersetzung:
Michael Schroeder, Frankfurt/M. 1989
Quelle:
Joachim Campe (Hg.) "Matrosen sind der Liebe Schwingen", Frankfurt/M. 1994
Konstantinos Kavafis verbrachte seine Abende gern im Attarine-Viertel
mit seinen vielen Läden und Cafes. Hier traf er junge Männer, die er für
ein Geldgeschenk mitnahm in die kleine Zweitwohnung, die er gemietet
hatte. Das war bürgerlicher Stil, wie ihn Kavafis aus dem einst reichen
Elternhaus gewohnt war. Freilich: Er vergaß seine Zufallsbekanntschaften
nicht, wenn er auch die Gedichte über sie erst im Abstand von Jahren
oder gar Jahrzehnten niederschrieb.
Komm zurück
Komm oft zurück und nimm mich,
komm, Sinnlichkeit, geliebte, nimm mich ganz.
Wenn die Erinnerung des Leibs erwacht
und alte Gier das Blut durchströmt;
wenn sich die Lippen und die Haut erinnern,
die Hände die Berührung wieder fühlen.
Komm oft zurück, besitz mich in der Nacht,
wenn sich die Lippen und die Haut erinnern.....
Eine Nacht
Das Zimmer war elend und ärmlich,
über einer schlechten Taverne verborgen.
Vom Fenster aus sah man die Gasse,
schmutzig und eng. Von unten
die Stimmen der Arbeiter.
Sie spielten Karten und feierten.
Doch dort, auf dem billigen, erniedrigten Lager
nahm ich den Körper der Liebe, besaß ich Lippen
voll Lust und gerötet von Trunkenheit -
so voller Lust und rot, daß noch jetzt,
da ichs schreibe - nach all den vielen Jahren! -
ich trunken bin in meinen nüchternen Wänden.
Durch die Straßen
Sympathisch sein Gesicht, doch etwas blaß,
kastaniendunkle Augen, die ganz matt;
seine fünfundzwanzig Jahre, sie kommen einem vor wie zwanzig.
Ein wenig wie ein Künstler ist er angezogen
- ist es die Farbe der Krawatte, der Schnitt des Kragens? -
so geht er ziellos durch die Straßen,
noch immer wie in Schlaf versetzt von der verbotnen Lust,
die gegen gute Sitten ist und die er grad genossen.
In den Kaschemmen
Mitten in den Kaschemmen und in den Bordellen
von Beirut wälze ich mich. In Alexandria
wollt ich nicht bleiben - nein. Tamides hat mich verlassen.
Er ging mit dem Sohn des Eparchen. Er wollte die
Villa am Nil, das Herrenhaus in der Stadt.
In Alexandria durft ich nicht bleiben - nein.
Mitten in den Kaschemmen und in den Bordellen
von Beirut wälze ich mich. In elender Lust
vegetier ich dahin. Was einzig mich rettet,
wie etwas Schönes, das dauert, wie wenn ein Duft haften bliebe,
den ich auf meinem Körper trage: daß für zwei Jahre
Tamides mir gehörte, dieser so ganz besondre Junge,
daß er mein eigen war, nicht für ein Haus, nicht für ein schönes Haus am Nil.
So oft schon blickt ich
So oft schon blickt ich auf die Schönheit,
daß all mein Sehen voll davon.
Zeichnung des Körpers, Rot der Lippen, Lust der Glieder.
Haar wie an Statuen der Griechen:
wunderschön, und ohne Künstelei,
fallt es, ein wenig, in die weiße Stirn.
Gesichter der Liebe, wie ich sie wollte
in meiner Dichtung.... den Nächten meiner Jugend,
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