Autor:
Friedrich Hölderlin (20. 3. 1770, Lauffen am Neckar - 7. 6. 1843, Tübingen)

Werk:
"Sokrates und Alkibiades"

Quelle:
Joachim Campe (Hg.) "Matrosen sind der Liebe Schwingen", Frankfurt/M. 1994



Friedrich Hölderlin schrieb der erotischen Pädagogik Platons die Fähigkeit zu, die äußere und innere Schönheit junger Männer zu entfalten - und damit die Harmonie ihres Charakters. Für die Moderne kann das nur ein Bild utopischer Sehnsucht sein: So schildert er es im 1797/99 erschienenen Briefroman "Hyperion", so deutet er es in der etwa gleichzeitig entstandenen Ode auf den "heiligen" Erzieher Sokrates an. Bedrückende Lebensumstände und die einsetzende Restauration (Hölderlin war ein glühender Anhänger der Französischen Revolution) machten der Psyche des Dichters von Jahr zu Jahr schwerer zu schaffen; zum endgültigen Zusammenbruch kam es schließlich im Jahre 1806. Der wohl größte deutsche Lyriker verbrachte nun die zweite Hälfte seines Lebens in geistiger Umnachtung. "Weh mir! Es waren schöne Tage. Aber traurige Dämmerung folgte nachher."



Sokrates und Alkibiades

Warum huldigest du, heiliger Sokrates,
Diesem Jünglinge stets? kennest du Größeres nicht?
Warum siehet mit Liebe,
Wie auf Götter, dein Aug auf ihn?

Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste,
Hohe Jugend versteht, wer in die Welt geblickt,
Und es neigen die Weisen
Oft am Ende zu Schönem sich.

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