Autor:
René Crevel (10. 8. 1900, Paris - 18. 6. 1935, Paris)
Werke:
"Nacht" (Nuit)
Übersetzung:
Rüdiger Campe, Frankfurt/M. 1994
Quelle:
Joachim Campe (Hg.) "Matrosen sind der Liebe Schwingen", Frankfurt/M. 1994
René Crevel haßte alles Bürgerliche: Und So spiegelt "Nacht" eines
seiner wenigen Gedichte, das 1925 erschien, Faszination durch die
Ganoven und Zuhälter, die berufsmäßigen Feinde der bürgerlichen
Ordnung. Zugleich aber auch versteckte Angst vor allem Körperlichen.
Das Engagement bei den Surrealisten und später den Kommunisten,
die Homosexualität ablehnten, halfen Crevel nicht. 1935 beging er
in Paris Selbstmord.
Nacht
Dem Schlaf zuliebe im Vergessensdunkel will ich sacht
heut abend
die lustigen Schwärmer töten
lautlose Tänzer
der Nacht
deren schwarzsamtne Sohlen
die Qual meines bloßen Fleisches sind
eine Qual die süß und sacht ist wie der Fledermausflügel
der den Schrecken
in Winkel meiner Haut trägt wo sie schaudernd zuckt
um mehr zu lieben, um Angst zu haben
vor einem andern Körper und vor Kälte.
Kannst du mir, mein Sinn, den Fluß zur Flucht vor Augen stellen?
Das ist die Stunde der losen Gesellen.
Das ist die Zeit der Straßenjungenbrut.
Zwei dunkle Augen wenn der Tag erblich
die wären für mein Herz so süß, so gut.
Gefangener der Zeit der Trauer
bin ich für mich, ein schönes Vergehen für sich
da hinten, hinten im Hintergrund
eine Schlange vielleicht zu Eis erstarrt weil ohne Liebe.
Wo fließt, wo fließt so fern
der Fluß den heute abend
mein Sinn zur Flucht sich wünscht?
Über Hänge wandern junge Frauen
die, Glanz im Haar, aus müden Augen schauen.
Ich habe ihnen nichts zu sagen, diesen Frauen.
Denn die Gesellen
sind ihre losen Gesellen
und ihre Gesellen
lieben es hochmütig Käufer zu prellen.
Ich bin für mich, ein schönes Vergehen für sich.
Zwei dunkle Augen wenn der Tag erblich
die wären für mein Herz so süß, so gut.
Das ist die Zeit der Straßenjungenbrut.
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