Autor:
Lord Byron (22. 1. 1788, London - 19. 4. 1824, Missolunghi)
Werke:
"Liebe und Tod", "Letzte Worte über Griechenland"
Übersetzung:
Heinrich Detering, Frankfurt/M. 1994
Quelle:
Joachim Campe (Hg.) "Matrosen sind der Liebe Schwingen", Frankfurt/M. 1994
Lord Byron galt lange als der Frauenheld der Literaturgeschichte. Aber
er war nicht nur das. In Missolunghi, dem Hauptquartier der griechischen
Freiheitskämpfer, denen sich Byron 1823 anschloß, begegnete er einem
jungen Offizier, in den er sich leidenschaftlich verliebte: Lukas Chalanaruzanos.
An ihn sind seine beiden letzten, erstaunlich offenen Gedichte gerichtet,
die erst lange nach seinem Tod und dann außerhalb der Gesamtausgaben
veröffentlicht wurden. Byron überlebte das Abenteuer von Missolunghi nicht:
Am 24. April 1824 starb er, nach ärztlichem Befund an "rheumatischem Fieber".
Liebe und Tod
Ich sah dich an, wir standen dicht am Feind,
bereit zu schlagen war ich (für uns zwei
gab es nur diese Hoffnung) - so vereint
mit dem Geliebten doch, geliebt und frei.
lch sah dich an, als Brandung unsern Bug
an Felsen trieb, als nichts als Sturm und Not
und Angst war, hieß dich an mich klammern -
trug dich wie ein Boot - ob lebend oder tot.
lch sah dich an - dein Aug' im Fieberglanz,
lagst du auf meinem Bett -, fiel auf die Knie,
vom Anschaun überwältigt, wollte ganz,
ja ganz dort bleiben, stürbest du so früh.
Die Erde bebte, schüttelte das Haus,
wie trunken schwankten Menschen und Natur,
nach wem späht' ich da angstvoll suchend aus?
Nach dir - nach dir -, um dich zu retten nur.
Als mir die Sinne schwanden, als der Krampf
mich hilflos machte, aller Worte bar -
an dich - an dich allein - im Todeskampf
dacht' ich - ach! öfter wohl, als heilsam war.
So viel und mehr und doch liebst du mich nicht,
und wirst es nie - ich weiß ja: unsern Trieben
befiehlt kein Wille, steuert keine Pflicht.
So muß ich wild, verkehrt, wahnsinnig lieben.
Letzte Worte über Griechenland
Was ist mir Ruhm und Ehre, was die Qual,
in der ein Volk gebiert ein neues Reich?
Ich stürb' dafür. Doch hätte ich die Wahl,
ich ließ' die Krone: Lorbeer macht mich reich.
Ich bin ein Narr der Leidenschaft; einmal
nur blickst du kalt mich an, ich werde bleich -
ein Vogel, dem ein Vipernblick befahl,
herabzustürzen in des Todes Reich.
So blendend ist, so bannend dieser Strahl,
so stark dein Zauber - oder ich so weich.
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