Autor:
Antonio Beccadelli (1394, Palermo - 1472, Neapel)
Werke:
"Lepidinus fragt den Autor...", "Auf den Päderasten Mattia Lupi",
"Grabinschrift für Pegasus den lahmen Päderasten"
Übersetzung:
Joachim Campe, Frankfurt/M. 1994
Quelle:
Joachim Campe (Hg.) "Matrosen sind der Liebe Schwingen", Frankfurt/M. 1994
Antonio Beccadelli erregte mit seinem "Hermaphroditus", zwei Bänden
deftiger Verse in elegantem Latein, Entzücken und Anstoß bei den
Zeitgenossen. Schließlich verriet er nicht nur intime Kenntnis der
antiken Literatur, sondern auch intimes Interesse an beiden
Geschlechtern. Doch Beccadelli endete als ein ehrenwerter Mann:
1472 starb er als Hofpoet des Königs von Neapel.
Lepidinus fragt den Autor, warum jemand, der einmal einen Knaben gefickt hat, nie wieder damit aufhört:
"Wenn einer erst einen Knaben gefickt hat in Mund oder Hintern,
Warum verlernt er das nie, Possenreißerpoet?"
"Selbst ein dämlicher Brite, der's einmal geschmeckt hat, der nimmt es
In diesem Liebesgenuß mit Sienesern noch auf
Gallien schlägt Neapel, Germanien Florenz, wenn der Zufall
solche Barbaren einmal Knaben berühren gelehrt.
Fazit: Wer einmal darauf sein Genie gelenkt hat, der läßt dann
Nie mehr im Leben von dem, was er einmal probiert."
Auf den Päderasten Mattia Lupi
Lupius fickt' einen unerfahrenen Kaben und sagte:
"Süßer Junge, beweg, ach, beweg deinen Po!"
Der drauf: "Das würd ich ja tun, wenn du mir nur ein Wort sagtest."
Lupius' Antwort: "Stoß, sag ich, also, nun mach!"
Grabinschrift für Pegasus, den lahmen Päderasten
Willst meinen Namen du wissen und was ich begehre, o Wandrer?
Pegasus bin ich und lahm, den diese Erde bedeckt.
Wisse nun auch meinen Wunsch, nachdem du den Namen erfahren,
Daß deine Neugier denn gänzlich befriediget sei.
Hast du 'nen willigen Knaben und wilIst ihn heute noch ficken,
Tu das, ich bitte dich drum, Wanderer, hier auf dem Grab.
Durch den Geschlechtsakt und nicht durch Wolken von Weihrauch versöhnet
Findet mein Geist die Ruh', die er so lange ersehnt.
Damit besänftigt man ja die Schatten des Hades am besten,
Wie es vorzeiten ja auch unsere Väter geglaubt.
So versöhnte Achill im Grabe die Seele des Chiron:
Weißblonder Patroklos, das hat dein Popo gespürt.
Hvlas erfuhr es, als Herakles ihn auf dem Grabe des Vaters
Spießte. Drum opfre auch du, wie es die Alten gelehrt.
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