Analyse der Sendung vom 27. Januar 2001

Eine Woche nach der heute schon legendären Sendung, die uns allein 10 neue Mitglieder auf unserer Tochterseite bei Clubplanet.de brachte und auch sonst mit allgemeiner Begeisterung und Heiterkeit aufgenommen wurde, hing die Messlatte diesmal natürlich besonders hoch. Und was soll man sagen - die Macher von jetaime haben nicht gerissen. Sie sind drunter durch gesprungen. Wenn auch knapp. Ort des Geschehens war eine Dresdener Galerie, was natürlich - wie sollte es beim MDR anders sein - nicht etwa dazu genutzt wurde, dem Zuschauer ein wenig die Schönheiten der bildenden Kunst nahe zu bringen (auch wenn der Galerist, gleichwohl vom Leben gezeichnet und mit der unvergleichlichen Aura eines Mannes umgeben, der sich über die Banausenhaftigkeit seiner Mitmenschen keine Illusionen mehr macht, sich alle Mühe gab), sondern statt dessen einen jeden Kandidaten mit der immer gleichen Frage zu nerven, was er denn für Bilder an den Wänden hängen habe. Mit einer Akribie als hätte er plötzlich die ultimative Frage gefunden, mit der sich das Leben, das Universum und alles erklären lässt und von der ja bekanntlich bisher nur die Antwort (42) bekannt ist, ließ Frank nicht locker, bis er auch wusste, dass zum Beispiel bei Roswitha auf Arbeit nur "...eine Reproduktion von van Gogh und auswechselbare Grafiken" die Patienten im Wartezimmer bei Stimmung halten und dass Joachim seine Bude mit dem "Druck einer schönen Landschaft" verziert hat. Die sich an die Sendung anschließende Diskussionsrunde in unserem chatroom brachte nicht nur einen sagenhaften neuen Rekord von zeitweise bis zu 8 (!) Teilnehmern sondern auch Lösungsansätze zur umstrittenen Frage, warum in aller Welt unser Idol Frank so krampfhaft herausfinden wollte, was für wertvolle Kunstgegenstände die Kandidaten in ihren Wohnungen aufbewahrten. Als wir darauf kamen, verhinderte nur unsere unverbrüchliche Loyalität zu Frank, dass wir einen anonymen Tipp an die Polizeidirektion Dresden absetzten, um Schlimmeres zu verhindern. Zum Glück hatten die Kandidaten eh nix, was gelohnt hätte, eine glänzende Fernsehkarriere dafür zu riskieren.
Und so hätten wir wieder mal die Kurve zum eigentlichen Thema gekriegt:
 
 
 

Kandidat 1
  Ein erstaunlicher Kandidat, der sein Singletum gewissermaßen zur, wenn nicht Religion, dann doch wenigstens Kunstform erhoben hat. Fast noch mehr als seine enorm professionell zelebrierte Annonce gibt darüber die eingeblendete Homepage Aufschluss. Dieser Tausendsassa hat bereits eine ausgedehnte Medienlaufbahn hinter sich, war bei diversen Talk- und Kuppelshows und hat seine Partnersuche inzwischen dermaßen perfektioniert (Den Anzeigentext kann man zum Beispiel fast wörtlich auf der angesprochenen Homepage nachlesen, wobei auch klar wird, dass der etwas unlogisch anmutende Satz, in dem er davon berichtet, dass er nicht gern in Kneipen geht, weil er nicht tanzen kann, nur ein Versprecher war), dass man ihm fast raten möge, sich nicht doch eines Tages zu binden um danach nicht in ein abgrundtiefes Loch zu fallen und festzustellen, dass sein Leben plötzlich keinen richtigen Sinn mehr macht. Diese Erkenntnis kommt vielen glücklichen Singles ja häufig erst, wenn es zu spät ist, bei Joe könnte es allerdings sein, dass er insgeheim schon längst auf den Trichter gekommen ist und nur Spaß daran gefunden hat, im Fernsehn aufzutreten. Ist es so, Joachim? Gib's doch zu.
PS: Ich bin autorisiert worden, Dir eine kostenlose Ehrenmitgliedschaft in unserem Club anzubieten. Schreib doch einfach mal.
 
 
 

Kandidatin 2
  Jene sichtlich gerührte Kandidatin, erweckte -zumindest was ihre tränenerstickte Stimme angelangt- den Eindruck einer ehrgeizigen Politikerin, die gerade eine wichtige Wahl verloren hat und nun ihren wütenden Fans, obwohl selbst um Fassung ringend, das Debakel erklären möchte. Und so erinnerte zum Beispiel der Satz: "Ich habe mir vorgenommen, mein Alleinsein zu beenden" mehr an einen nächtlichen Anruf beim Sorgentelefon als an eine Partnersuche. Die verwirrt klingende Aussage, "...manchmal etwas hektisch und Nichtraucherin..." zu sein kombiniert mit dem ständigen panischen Umherblicken, welches ein wenig an ein Kaninchen, das gerade umzingelt wird, erinnerte, hinterließ den Eindruck einer Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. Als sie sich mit einem letzten herzzerreissenden Schluchzer verabschiedete, hatten auch bei uns im Clubcentre einige Zartbesaitete feuchte Augen bekommen.
 
 
 

Kandidatin 3
  Wer wie ich, manchmal im Stadtverkehr nicht schnell genug ist, den Radiosender zu wechseln, sobald die Werbung anfängt, wird vermutlich auch schon mal den Spot einer bekannten Partnervermittlung gehört haben, der ungefähr so losgeht: "Geht es ihnen auch so? Sie kennen eine Unzahl von Leuten, aber keinen, mit dem sie..." usw. Nun habe ich mal den vollständigen Text gehört. Allerdings nicht etwa im Radio sondern von Christa, die scheinbar meint, uns einfache MDR-Zuschauer mit einem Text aus der Hochglanzbroschüre schwach machen zu können?! 
Wenn sie sich da mal nicht geschnitten hat. Der ganze Auftritt war so gelackt und gestelzt, dass sie wohl eher einen Werbevertrag für Gebissprothesen als einen normaldenkenden Bartner finden dürfte. Die Flut aus abenteuerlichen Satzkonstruktionen, Herman-Hesse-Zitaten und einem fast schon an good old Hildeman erinnerndem Permanent-Grinsen verwirrt einen auch beim dritten Angucken so sehr, dass ich mich außerstande sehe, hier was vom Inhalt wieder zu geben. Sorry.
 
 
 

Kandidatin 4
  Aha. Eine Deutschlehrerin. Da ist man ja immer besonders kritisch, was die Wortwahl angeht. Dinge, wie "Aber auch zum Beispiel Kinobesuche oder ein Tag im Spaßbad gefällt uns sehr." , die wir jedem anderen ohne Kommentar durchgehen lassen würden, müssen wir hier leider mit einem Minuspunkt bestrafen. "Wie sollte nun mein zukünftiger Partner und natürlich auch Freund meines Sohnes sein?" - Ebenfalls ein gewagtes Konstrukt, welches man aber notfalls als künstlerischen Stil gelten lassen könnte. Um dieses dünne Eis zu verlassen, beschränkte sie sich danach auf einfache Hauptsätze mit nur dann und wann einer eingeschobenen Erläuterung, verlor damit aber wieder Boden in der Ausdruckswertung.
Fazit:
Grammatik...3
Ausdruck...4
Inhalt ...(sprechen wir lieber nicht drüber)
 
 
 
 

Kandidatin 5
  Man stelle sich eine Mischung aus Hannelore Kohl und den Jakob Sisters vor, um sich ein Bild von Roswitha zu machen (Okay, man könnte auch links versuchen, was zu erkennen). Diese junge Frau hatte zwar diesmal die kürzeste Anzeige, aber wenn man mal genau auf Franks in der Anmoderation versteckten Wink mit dem berüchtigten Zaunpfahl ("...will in wenigen Worten viel sagen...") und die eingeschnittene Szene, in der sie scheinbar ohne Punkt und Komma den armen Moderator zutextet, achtet, wird man den Eindruck nicht los, dass hier allerhand Kürzungsarbeit von Seiten der Redaktionspsychater und/oder des Cuters nötig war. War wohl auch nicht schade drum. Den Standardtext kennen wir ja inzwischen wirklich zur Genüge.
 
 
 

Bilddokumente gibt es mal wieder zur Takt und Stil-Rubrik, die sich diesmal leicht abseitig mit den Vor- und Nachteilen der Körpersprache befasste. Dieses Thema liegt uns natürlich sehr, da wir durch die Möglichkeiten der Videoanalyse uns schon länger mit diesem interessanten Sachgebiet beschäftigen. Als Vorbild dient -wie sollte es anders sein- selbstverständlich Frank Liehr, the Greatest.
       
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