Was soll man zu dieser Sendung noch sagen? Wohl
war sie wieder voller haarsträubender Szenen, die wie gewohnt auch
uns hartgesottenen Rezensenten einige Körperbeherschung abverlangten,
um zwischen den einzelnen Krampfattacken noch einen einigermaßen
zusammenhängenden Verriss in die Tasten zu hauen. Andererseits haben
wir das doch alles nun schon allzuoft gesehn. Da gab es mal wieder eine
Gelegenheit (Fasching - wie originell!), die Show ein wenig aufzupäppeln
und, wie nicht anders zu erwarten, sah man schon balde das Idol aller Frauenwäschefetischisten
Frank Liehr, wie er sich in den verschiedensten lächerlichen Verkleidungen
vor der Nation zum Obst machte.
Das
Ganze wurde akustisch verstärkt durch einige Scherze, die sich an
Unterhaltungswert locker mit so mancher ansteckenden Krankheit messen konnten
und der eine oder andere ältere Mitbürger wird mit Genugtuung
zur Kenntnis genommen haben, dass Frank den einzigen Telefonbuchwitz brachte,
der älter ist als die Erfindung des Telefons selbst (und über
den schon damals kaum einer lachen konnte - allerdings noch aus anderen
Gründen)...
Wenigstens bei den Kandidaten gibt es dann
und wann noch mal was Neues zu lernen:
Kandidatin 1
Das kommt also dabei heraus, wenn man zu viele Bücher liest, was Gundi
nach eigenen Angaben - wenn ich das recht verstand - in der Vergangenheit
tat. Ihr Problem ist scheinbar, dass sie dabei wohl herauszufinden geglaubt
hatte, mit der richtigen Formulierung könne man einfach alles erreichen.
Diese Erkenntnis mag wohl bei einer jetaime-Annonce helfen, doch - davon
abgesehen, dass sie falsch ist - ist ein schnittiger Satzbau der Qualität
"Frank, Du hast das große Vergnügen einen echten Skorpion kennenzulernen!"
leider bei weitem nicht das Einzige, was einen solchen Auftritt erfolgreich
macht. (Zumal das Vergnügen ja wohl eher auf der Seite des MDR-Publikums
wäre, wenn Frank tatsächlich mal einen echten Skorpion
von nahem kennenlernen würde.) Ihr, in der Haltung und mit der Stimme
eines gehetzten Hundes, verkündetes Textchen, welches über die
eingestreuten Seitenhiebe in Richtung Rechtschreibreform ("schnelllebige
Zeit mit 3 L") und andere Frauen, die ihrer Ansicht nach zu selten Tagebuch
schreiben, darüberhinaus zunehmend an Zusammenhang einbüßte,
jedenfalls machte zwar Meister Liehr, der seine Rolle als Pausenclown diesmal
allzu wörtlich auslegte und in unnachahmlicher Manier in der Kulisse
rumjuckelte, heftig Konkurenz, dürfte aber wohl kaum Anklang beim
eigentlichen Zielpublikum gefunden haben. Andererseits muss ihr natürlich
zu Gute gehalten werden, dass sie als Erste nach langer Zeit mit der 1999
aufgestellten obersten Regel für jetaime-Annoncen brach, das Wort
"Faible" nicht zu verwenden. Glückwunsch!
Kandidat 2
Da hatten die Leute in der Effektabteilung ein Einsehen mit den Zuschauern
und drehten den Regler für die (gleichwohl nicht unbedingt passende)
Hintergrundmusik etwas lauter auf als Michis Stimme. Nachdem man ihm also
so schon die, vermutlich ohnehin nur theoretische, Chance etwas Interessantes
mitzuteilen, genommen hatte, machte sich auch das Kamerateam einen Gag
daraus, den guten Mann möglichst albern aussehen zu lassen (das üben
sie ja mit Frank ständig) und jagten ihn per Drehbuch kreuz und quer
durch den Klamottenladen, bis er rüber kam wie ein Cracksüchtiger
auf der Suche nach einem stillen Örtchen.
Als
die Musik aus war und Freund Michael Frank ein paar Zusatzfragen beantworten
durfte, gabs dann doch noch fundierte Informationen zu hören: "Auf
Hawaii gibts polynesische Kulturzentren und verschiedene Inseln"
...
Das nächste Mal dann doch lieber wieder
Musik.
Kandidatin 3
Da plaudert die junge Frau ein paar Belanglosigkeiten, die sich hauptsächlich
durch ihre rostigetürquietschende Quäkstimme knapp über
der imaginären Grenze hielten, die durchschnittliche Zuschauer ins
Reich des Schlummers überschreiten müssen und blättert dabei
uninspiriert in dem schlecht selbstgebastelten Katalog, der wohl bald die
Konkursmasse des lustigen Anziehsachenlädelchen bereichern wird.
Doch
dann: ungeahnter Tiefgang, als Margi ihre Behauptung, ein romantischer
Typ zu sein, mit einem schlagartigen Verfinstern ihrer ohnedies nicht gerade
besonders hellen Gesichtszüge einhergehen lässt. Männer,
macht euch auf etwas gefasst!
Kandidatin 4
Aus Fehlern schlau geworden, wirft Kerstin zunächst mal ihren einzigen
Joker beim Buhlen um die Aufmerksamkeit des Publikums in die Waagschale
und schickt ihre Tochter vor, die zwar besser angekommen wäre, wenn
sie nicht auch noch mit Labern angefangen hätte, aber immerhin nicht
ganz so alt aussah wie alle anderen heute hier. Ihr Text endete mit: "Hab
ich sie neugierig gemacht? Dann schauen sie sich jetzt meine Mutti an!"
Und
das half tatsächlich schlagartig dagegen! Wer immer noch neugierig
war, wurde spätestens durch den Auftritt im Bauchtanzkostüm endgültig
geheilt. Ich jedenfalls habe gelobt, nie mehr neugierig zu sein. Aber bitte
lieber mdr: BITTE KEINE BAUCHTANZKOSTÜME MEHR!!!
Kandidatin 5
Marie-Anne hat sich eigens einen Spickzettel angefertigt, der sie nach
kurzer Zeit selbst so langweilt, dass sie über dem Verlesen ihres
Aufsatzes sporadisch einschläft und vom Team mit leichten bis mittelschweren
Schlägen ins Gesicht wieder aufgemuntert werden muss (an den Umschnitten
zu erkennen). Immerhin: ein passendes Abschiedswort hat sie noch für
uns bereit und wenn wir uns auch uneins waren, was es wohl bedeuten könnte,
so finden wir doch, dass es genauso gut auch für unsere Analysen gilt.
Irgendwie.
Jeder Text ist ein Mosaiksteinchen.