Analyse der Sendung vom 24.2.2001

Was soll man zu dieser Sendung noch sagen? Wohl war sie wieder voller haarsträubender Szenen, die wie gewohnt auch uns hartgesottenen Rezensenten einige Körperbeherschung abverlangten, um zwischen den einzelnen Krampfattacken noch einen einigermaßen zusammenhängenden Verriss in die Tasten zu hauen. Andererseits haben wir das doch alles nun schon allzuoft gesehn. Da gab es mal wieder eine Gelegenheit (Fasching - wie originell!), die Show ein wenig aufzupäppeln und, wie nicht anders zu erwarten, sah man schon balde das Idol aller Frauenwäschefetischisten Frank Liehr, wie er sich in den verschiedensten lächerlichen Verkleidungen vor der Nation zum Obst machte. Das Ganze wurde akustisch verstärkt durch einige Scherze, die sich an Unterhaltungswert locker mit so mancher ansteckenden Krankheit messen konnten und der eine oder andere ältere Mitbürger wird mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben, dass Frank den einzigen Telefonbuchwitz brachte, der älter ist als die Erfindung des Telefons selbst (und über den schon damals kaum einer lachen konnte - allerdings noch aus anderen Gründen)...
 
 
 

  
Wenigstens bei den Kandidaten gibt es dann und wann noch mal was Neues zu lernen:

Kandidatin 1
  Das kommt also dabei heraus, wenn man zu viele Bücher liest, was Gundi nach eigenen Angaben - wenn ich das recht verstand - in der Vergangenheit tat. Ihr Problem ist scheinbar, dass sie dabei wohl herauszufinden geglaubt hatte, mit der richtigen Formulierung könne man einfach alles erreichen. Diese Erkenntnis mag wohl bei einer jetaime-Annonce helfen, doch - davon abgesehen, dass sie falsch ist - ist ein schnittiger Satzbau der Qualität "Frank, Du hast das große Vergnügen einen echten Skorpion kennenzulernen!" leider bei weitem nicht das Einzige, was einen solchen Auftritt erfolgreich macht. (Zumal das Vergnügen ja wohl eher auf der Seite des MDR-Publikums wäre, wenn Frank tatsächlich mal einen echten Skorpion von nahem kennenlernen würde.) Ihr, in der Haltung und mit der Stimme eines gehetzten Hundes, verkündetes Textchen, welches über die eingestreuten Seitenhiebe in Richtung Rechtschreibreform ("schnelllebige Zeit mit 3 L") und andere Frauen, die ihrer Ansicht nach zu selten Tagebuch schreiben, darüberhinaus zunehmend an Zusammenhang einbüßte, jedenfalls machte zwar Meister Liehr, der seine Rolle als Pausenclown diesmal allzu wörtlich auslegte und in unnachahmlicher Manier in der Kulisse rumjuckelte, heftig Konkurenz, dürfte aber wohl kaum Anklang beim eigentlichen Zielpublikum gefunden haben. Andererseits muss ihr natürlich zu Gute gehalten werden, dass sie als Erste nach langer Zeit mit der 1999 aufgestellten obersten Regel für jetaime-Annoncen brach, das Wort "Faible" nicht zu verwenden. Glückwunsch!
  
 
 

Kandidat 2
Da hatten die Leute in der Effektabteilung ein Einsehen mit den Zuschauern und drehten den Regler für die (gleichwohl nicht unbedingt passende) Hintergrundmusik etwas lauter auf als Michis Stimme. Nachdem man ihm also so schon die, vermutlich ohnehin nur theoretische, Chance etwas Interessantes mitzuteilen, genommen hatte, machte sich auch das Kamerateam einen Gag daraus, den guten Mann möglichst albern aussehen zu lassen (das üben sie ja mit Frank ständig) und jagten ihn per Drehbuch kreuz und quer durch den Klamottenladen, bis er rüber kam wie ein Cracksüchtiger auf der Suche nach einem stillen Örtchen. Als die Musik aus war und Freund Michael Frank ein paar Zusatzfragen beantworten durfte, gabs dann doch noch fundierte Informationen zu hören: "Auf Hawaii gibts polynesische Kulturzentren und verschiedene Inseln"
...
Das nächste Mal dann doch lieber wieder Musik.
 

Kandidatin 3
  Da plaudert die junge Frau ein paar Belanglosigkeiten, die sich hauptsächlich durch ihre rostigetürquietschende Quäkstimme knapp über der imaginären Grenze hielten, die durchschnittliche Zuschauer ins Reich des Schlummers überschreiten müssen und blättert dabei uninspiriert in dem schlecht selbstgebastelten Katalog, der wohl bald die Konkursmasse des lustigen Anziehsachenlädelchen bereichern wird. Doch dann: ungeahnter Tiefgang, als Margi ihre Behauptung, ein romantischer Typ zu sein, mit einem schlagartigen Verfinstern ihrer ohnedies nicht gerade besonders hellen Gesichtszüge einhergehen lässt. Männer, macht euch auf etwas gefasst!
 

Kandidatin 4
  Aus Fehlern schlau geworden, wirft Kerstin zunächst mal ihren einzigen Joker beim Buhlen um die Aufmerksamkeit des Publikums in die Waagschale und schickt ihre Tochter vor, die zwar besser angekommen wäre, wenn sie nicht auch noch mit Labern angefangen hätte, aber immerhin nicht ganz so alt aussah wie alle anderen heute hier. Ihr Text endete mit: "Hab ich sie neugierig gemacht? Dann schauen sie sich jetzt meine Mutti an!" Und das half tatsächlich schlagartig dagegen! Wer immer noch neugierig war, wurde spätestens durch den Auftritt im Bauchtanzkostüm endgültig geheilt. Ich jedenfalls habe gelobt, nie mehr neugierig zu sein. Aber bitte lieber mdr: BITTE KEINE BAUCHTANZKOSTÜME MEHR!!!

Kandidatin 5
  Marie-Anne hat sich eigens einen Spickzettel angefertigt, der sie nach kurzer Zeit selbst so langweilt, dass sie über dem Verlesen ihres Aufsatzes sporadisch einschläft und vom Team mit leichten bis mittelschweren Schlägen ins Gesicht wieder aufgemuntert werden muss (an den Umschnitten zu erkennen). Immerhin: ein passendes Abschiedswort hat sie noch für uns bereit und wenn wir uns auch uneins waren, was es wohl bedeuten könnte, so finden wir doch, dass es genauso gut auch für unsere Analysen gilt. Irgendwie.
Jeder Text ist ein Mosaiksteinchen.
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