Analyse der Sendung vom 20.1.2001
Wir blicken zurück auf eine mal wieder wahrhaft gelungene Show, die in Zügen an die unvergessenen Klassiker der Sendereihe erinnerte. Fast scheint es, als hätte der MDR sich wieder auf alte Qualitäten besonnen. Frank mit seinem unverwechselbar pseudooriginellen Stil, die location so trendy wie lange nicht und die Kandidaten nahezu allesamt chartverdächtig. Dazu passt der neue Teilnehmer-Rekord, der beim anschließenden Chat-event auf unserer Seite registriert wurde. Die kontrovers diskutierenden jetaime-Fans waren sich einig: In dieser Qualität steht unserer Lieblingssendung eine glänzende Zukunft bevor. Das eine oder andere jüngere Mitglied hofft sogar, noch erleben zu können, wie die Einschaltquote tatsächlich über 1 Million steigt. Doch zurück zum Tagesgeschäft und allem, was man über die 556ste Sendung wissen muss:
Drehort war diesmal ein berühmtes Ofenmuseum, was einige harte Verhandlungen
erforderte, da -laut unseren Recherchen- auch die Teams von "Wetten dass...",
den "MTV music awards" sowie ein bekanntes Hollywoodstudio für "Indiana
Jones, Teil IV" heute gern hier gedreht hätten. Zweifelsohne hat das
Management aber die richtige Entscheidung getroffen, die Sehenswürdigkeiten
dieser einzigartigen Stätte doch durch den einschlägig erfahrenen
jetaime-Kameramann abfilmen zu lassen. Und sein in 555 Folgen erworbenes
Können, unbewegte Dinge, die besser in einem Prospekt aufgehoben wären,
in bewegten Bildern einzufangen, stellte er auch diesmal wieder eindrucksvoll
unter Beweis...
Womit wir bei den Kandidaten wären.
Kandidatin 1
Diese junge Frau gewann die Herzen des Publikums im Sturm mit ihrer gekonnten
Speedy-Gonzales-Parodie. Während der angemalte Schnurrbart nicht ganz
überzeugend wirkte, konnte sie doch mit dem nahezu täuschend
echtem Akzent der beliebten Trickfilmfigur überzeugen. Um diesen Bonus
wissend, nutzte sie jede Gelegenheit, Worte mit "s" zu verwenden, wie der
Satz "...würde mich cher über Pocht, bitte mit Foto, cher freuen"
beweist. In der Manier eines erfahrenen Entertainers steigerte sie die
Schwierigkeit gegen Ende hin und trieb die Stimmung auf den Höhepunkt
mit dem Wort: "akcheptieren" Etwas nachdenklich stimmte dagegen ihr Bekenntnis:
"...lebe ich mit meinem Chon, der fünfchen Jahre alt icht, allein,
was ich cher gern ändern möchte..." Also, wenn ich der Sohn wäre,
würde ich ab heute nur noch mit einer geladenen Pistole unter dem
Kopfkissen schlafen. Aber vielleicht macht er das ja auch schon.
Kandidat 2
Zu Rudolf ist scheinbar kaum etwas zu sagen und so wird es ihm auch vorkommen.
Da man aber bei jetaime leider immer noch nicht auftreten darf, indem man
einfach dusslig auf dem Sessel rumlungert und schweigend in die Kamera
glotzt, hat er sich doch einen kleinen Text einfallen lassen.
Diesen
allerdings drückte er dermaßen gelangweilt und genuschelt raus,
dass es mir persönlich erst beim dritten ansehen klar wurde: Er ist
gar kein so schlechter Bauchredner, wie man denkt. Er hat mit dem Mund
geredet! Allerdings fast ohne ihn zu bewegen. 'wär wohl auch zu anstrengend
gewesen. Und seine Energiereserven für dieses Wochenende hat er ja
schon damit verbraucht, sich einigermaßen leger in den Sessel zu
werfen. Wie kommt so einer wohl auf die Idee, eine Bardnerin könnte
ihm helfen? Als die Sprache auf sein "Häuschen in reizvoller Umgebung"
kam, dass er hofft, bald zu übernehmen, wurde klar, woher der Wind
weht. Sein Papa hat scheinbar das Testament so umgeschrieben, dass er nur
im verheirateten Zustand berücksichtigt wird. Auch kein schlechter
Grund. Der Mann weiß wenigstens, wofür er sich das antut.
Kandidatin 3
Wer sagt's denn: wenn die Kandidatin nur geringfügig über dem
ohnehin geringen Durchschnittsniveau vermutet wird, macht der MDR fast
alles möglich. In diesem Fall eine Fotoannonce, da die rüstige
Österreicherin den weiten Weg ins Ossiland scheute. Wenn das so weiter
geht, sehen wir wohl bald Frank, wie er die Partneranzeigen aus dem Anzeigenblatt
vorliest. Einen interessanten Einblick in die redaktionelle Arbeit bei
jetaime erschloss der eingeblendete Brief von Heide. Der war zwar komplett
mit grünem Textmarker hervorgehoben, der verlesene Text war aber ein
völlig anderer. Wahrscheinlich hatte Frank nur beim Durcharbeiten
des Briefes jedes Wort durchgestrichen, damit er nicht versehentlich eines
doppelt lesen und durcheinander kommen würde. Unser Leiblingsmoderator
ist halt ein wirklich cleveres Bürschchen...
Kandidat 4
Gut, dass nicht auch Klaus einen Brief geschrieben hatte. Einen solchen
Liveauftritt hätten wir uns nur ungern entgehen lassen. Kaum einer
von Franks Gesprächspartnern hat es bislang geschafft, ihn so überzeugend
und effizient einfach ins Leere laufen zu lassen. Klaus ist aber auch ein
Könner der gepflegten Konversation.
Die
meisten Fragen beantwortet er mit "Ja" oder "Nein", um genau zu sein, nur
mit "Ja". Als bei Frank langsam der Groschen fällt, dass Klaus ihn
hier wohl veralbern will, füttert der ihn mit einer etwas ausführlicheren
Antwort wieder an, während er ihm unbemerkt hintenrum schon wieder
ein faules Ei unterschiebt: Auf die Frage, ob er auch einen Kachelofen
habe, erwähnt Klaus, dass seine Eltern fast den gleichen, wie im Hintergrund
zu sehen, hätten, nur mit schwarzen Kacheln. Haha! Brüller!!
Einfach brillant, dieser Spruch direkt vor einem antiken Einzelstück
von Kachelofen, um das dieses Museum von Sammlern in aller Welt beneidet
wird! Und Frank hat nicht mal was gemerkt!
Dann die Annonce: abgeklärt und souverän
tischt Klaus uns seine Lebensgeschichte auf, er "...fährt gern mit
dem Auto einfach mal raus" (klar, immer nur in der Garage stehn ist ja
auch langweilig), er ist Fan von Wolfgang Petry (etwas Aufregendes braucht
der Mensch ja im Leben) und er würde mit seiner Traumfrau "Hand in
Hand durch die Dübener Heide spaziern, ins Gino und zu Gonzerden gehen"
(da ist ja immer was geboten in der Heide). Doch dann ein Satz, der uns
an Klaus' aufrechter Gesinnung zweifeln lässt: "Leider bin ich nicht
der Dyp, der es sich traut, einfach eine junge Frau anzuspucken..." Hier
muss wohl Frau Conny Müller mal dringend eine Extraschicht einlegen.
Kandidatin 5
Entgegen der etablierten Vorgehensweise, die Aufmerksamkeit des Zuschauers
gleich mit der ersten Kandidatin überzustrapazieren, wurde diese Traatschtante
ans Ende der Sendung gesetzt. Und so stand sie also da, umgeben von kalten
Öfen und breitete sich aus über ihr Single-leben und über
die Wünsche an ihren Zukünftigen. Alles schon tausendmal gesehen
und gehört. Aber natürlich dennoch kein Grund für Eleonore,
auf irgendeine der bewährten Floskeln zu verzichten. Aus der Reihe
fiel sie lediglich mit der Erwähnung ihres, "zur Wohnung gehörenden"
kleinen Gartens. Phantasiebegabte Zuschauer, die ihr Bad auch nicht gerne
säubern, können sich sicherlich vorstellen, wie sowas aussieht.
Sonstiges
Unsere fast schon zur Tradition gewordene
Kritik an Franks Elefanten-im-Porzelanladen-ähnlichem Auftreten, vor
allem in Bezug auf seinen Gegenpol in Sachen gutes Benehmen, Frau Müller,
muss auch diesmal fortgesetzt werden. In nie dagewesener Direktheit stellte
er sich unmittelbar im Anschluss an ihre Rubrik auf und behauptete rundheraus
das genaue Gegenteil von dem, was sie gerade in ihrer taktvollen Art und
Weise zum Besten gegeben hatte. Dass Frank immer gern das letzte Wort hat,
wissen wir ja schon länger, aber dass er seine Profilneurose dermaßen
ungezügelt auslebt, hat schon eine neue Dimension.
Wem dies noch nicht kalte Schauer über
den Rücken gejagt hatte, der war spätestens beim Rückblick
auf die erhebende Geschichte des ersten diesjährigen jetaime-Paares
am Ende seiner Belastungsfähigkeit. Die Wiederholung des, an ein Hinrichtungsvideo
aus den USA erinnernden, Heiratsantrages, den die junge Frau am Rande des
Nervenzusammenbruchs und offensichtlich mit einer großkalibrigen
Schusswaffe bedroht, vor einiger Zeit in die MDR-Kamera ningelte, war auch
für hartgesottene Fans ein starkes Stück. Das hat nun wirklich
niemand gewollt. Doch auch solche Szenen sind Teil von "jetaime".
Hier noch eine kleine Randepisode, die ich
eigentlich in den Papierkorb werfen wollte, aber naja...