Unser aller Lieblingssendung zieht immer mehr Fans in ihren Bann. Einige Zuseher werden durch die Show regelmässig zu literarischen Ergüssen inspiriert, wie zum Beispiel die folgenden Analysen beweisen, die der Redaktion unaufgefordert eingesendet wurden und die wir natürlich dankbar an dieser Stelle abdrucken, wenngleich uns auch die eine oder andere Formulierung etwas gegen den sprichwörtlichen Strich geht. Doch wer, wenn nicht wir vom jetaime-Fanclub sollte die Fahne der im Grundgesetz verankerten Meinungsfreiheit hochhalten und auch kontroverse Wortbeiträge veröffentlichen? Als denn...

Am 17. Juni war es wieder einmal soweit, fünf arglose Opfer bekamen die Gelegenheit sich öffentlich lächerlich zu machen, "je t´aime" zeigte die wöchentliche Klemmerantenparade. Konnte man die Peinlichkeiten der letzten Ausgaben noch steigern? War es möglich noch debilere, gehirnamputiertere Beitrittsdeutsche zu finden, als die, die in der Vorwoche durch die zuvor liebevoll zurechtgelegte Syntax gestolpert waren?

Aber mit Leichtigkeit! Es muss irgendwo bei Zeulenroda ein unterirdisches Labor geben, wo diese entfernt humanoiden Sapienspraetendenten vermittels gentechnischer Experimente in immer perfekterer Manier hergestellt werden. Früher galt alles unter einem IQ von 70 als nicht überlebensfähig, heute hat man eine Subspecies gezüchtet, die ohne jeden IQ sogar den Weg ins MDR-Studio findet und in der Lage ist, auf Zuruf des Wärters (Frank) Kunststückchen wie den immer beliebteren Satzfetzen "suche einen Bartner zum Anlehnen" abzuliefern, eine Komposition übrigens, die beste Chancen auf den Titel Unwort des Jahres hat.

In dieser Ausgabe begrüsste Frank uns schon mit verdächtig gutgelauntem Grinsen und wies die Anal-phabeten unter seinen Zusehern erst einmal darauf hin, dass die Sendung, wie im Vorspann gelesen "sche teeeeeehm" heisse. Na ja, was den Kandidaten an der hochdeutschen Aussprache fehlt, macht Franks Mangel an französischer prononciation lässig wett.

Dann erschien ohne schuldhaftes Zögern Karin auf der Bildfläche. Elegant gekleidet, im modischen Zipfellook (wann und wo der genau in Mode kommt, entnehmen Sie bitte Ihrer "Bäckerblume") konterkarierte sie durch ihre Aufmachung gleich in eindrucksvoller Weise ihr Eingangsstatement, wonach ihr ein gepflegtes Äusseres wichtig sei. Karin ist übrigens 57 Jahre alt und stolz darauf, seit 20 Jahren den Führerschein zu haben. Es gab ja früher nichts in der Ostzone, damals nach dem Krieg. Da gratulieren wir aber, und zwar der ostdeutschen Strassenverkehrsbehörde, die es geschafft hat, den fröhlichen Zacken(b)arsch noch geschlagene 19 Jahre nach Erreichen des Führerscheinalters von den Strassen fernzuhalten. So ganz sicher war sich die Kandidatin bezüglich der Erfolgsaussichten ihrer Bewerbung offenbar nicht, denn sie konstatierte sogleich, dass es zu gepflegter Zweisamkeit nur kommen könne, wenn der Künftige "Optimismus" mitbringe. Verzeihung, Theuersthe, das geht zu weit: Positive  Lebenseinstellung schön und gut, aber dem verlorenen Hopfen auch noch das Malz hinterherwerfen, und das obwohl der Volksmund in sche teeeehm-verdaechtiger Plattheit postuliert "Hopfen und Malz, Gott erhalts"? Nein Karin, Pech gehabt, so viel Optimismus brächte nicht einmal Wolfgang "Lippi" Lippert auf, dessen Kontaktanzeige an gleicher Stelle wir seit Monaten gespannt entgegensehen.

 Schon Luther, so teilte uns Frank andächtig mit, sei Über den sittlichen Verfall des Drehortes, eines belanglosen Klosters in der westlichen Ostzone, besorgt gewesen. Mit Recht, denn was nun kam, war fast bornografisch. Klaus-Dieter, ein Elektriker aus Klein (An-)Machnow am See, teilte der gespannten Zuseherschar mit, dass er auch als Mann einen Nagel gerade in die Wand kriege. Gibt es eine schönere Metapher für die gleichgeschlechtliche Liebe unter echten Männern? Selbst Goethe hätte es nicht herrlicher umschreiben können. Schade nur, dass Klaus-Dieter es anschliessend noch einmal etwas platter wiederholte, aber wahrscheinlich musste er sich am Empfängerhorizont des vorwiegend beitrittsdeutschen Publikums orientieren. Er formulierte poetisch: "Hallo, liebe Damen, wir haben etwas gemeinsam, wir sind beide auf der Suche nach einem Partner." Dem Mann fürs Leben also, den Klausi-Mausi - wie er selbst schonungslos eingestand - bisher weder durch Gonndaggdanzeigen noch durch Bartnervermittlungen gefunden hatte. Auch seine drei Kinder (Söhne?) leben nicht mehr bei ihm, so dass viel Zeit bleibt für ausgedehnte Spaziergänge, die der verschrobene Handwerker überraschenderweise nicht in den eigenen vier Wänden, sondern in der "Natur" zu unternehmen pflegt. Der Mann ist vielseitig, liebt Volksmusik, Glassigg, aber auch Bob-Musik, wobei er nicht spezifizierte, ob Zweier- oder Viererbob und welches Instrument der Rennschlitten dabei überhaupt spielt. Multitalent Klaus-Dieter liebt das Extreme, er pflegt gelegentliche Besuche bei Freunden (rektal?), treibt Sport und kann sogar einen gemütlichen Abend zuhause geniessen. Er fordert dreist: "Die Spaziergänge in der Natur sollten für Sie keine Pflichtübung darstellen und die Erholung am Naturstrand ebenso wie ich suchen". Satzbau mangelhaft! Oder sollen wirklich die Spaziergänge Erholung am Nacktstrand suchen? Jedenfalls muss der Zukünftige "EffGaGa dollerieren" und wäre es schön "wenn Sie eigene Interessen hätten".
Aber sicher doch, ganz eigene!

Zum Beispiel an Marianne, einer lasziv gegen einen Baum gelehnt auf Frank wartenden Vorstadtschönheit, deren leichte Sprachstörung darin besteht, dass sie darauf beharrte, jeden Buchstaben einzeln zu sprechen. Dementsprechend reichte es für ein in sich geschlossenes Statement nicht, da muss die gentechnische Abteilung Zeulenroda noch nachlegen. Frank zog folgerichtig der Sprechpuppe die Brocken einzeln aus der Nase und erfuhr zunächst, dass Pünktlichkeit die Höflichkeit der Könige sei, sowie dass Marianne gerne arbeitslos werden würde, damit sie sich endlich einen Hund anschaffen könne. Schön wäre für die sympathische Mittachtzigerin "ein Mann mit Vollbad", in dem Alter rutscht man wohl unter der Dusche leicht einmal aus. Wozu aber die Coladosenringe an den Ohren der Buchstabierakrobatin dienten, wir wissen es nicht! Ein religiöses Symbol? Ein Fruchtbarkeitstalisman? In ihrem Alter? Marianne bringt offenbar jede Menge Optimismus mit. Vielleicht wäre sie ja etwas für Karin. Wenn man nur tief genug bohrt könnten die beiden niedlichen Kandidatinnen sicher ihre homoerotischen Gefühle füreinander entdecken.

Es folgte Fred, ganze 1,66 gross und damit dem ständigen Problem ausgesetzt, dass die Kamera nur die obere Hälfte seines Kopfes im Bild hatte. Fred wohnt "auf dem Land in unserem Häuschen" und möchte "deshalb etwas zu meiner Person sagen: Ich habe durch einen Verkehrsunfall einen leicht Gehfehler." Und einen schwer Sprachfehler, ergänzen wir im Geiste, sowie ein paar Denkfehler, denn er sucht tatsächlich eine Frau, die in der Grösse zu ihm passt. Also Zeulenroda: Zwerginnen züchten!

 Intermezzo furioso: Frau Münchhausen hat ihren Auftritt, als ob das Ganze nicht schon verlogen genug gewesen wäre. Sie erzählt ihre Anekdote aus dem Jahr 1760 (zugleich offenbar das Geburtsjahr der bräsigen Schauspielerattrappe) so pointiert, lässig und natürlich, dass wir schon nach Sekunden die Ohren auf Durchzug stellten und nun gar nicht mehr wissen, worum es eigentlich ging. Schade? Nein!

Dafür volle Konzentration auf Bärbel, die muntere Gebärdendolmetscherin aus dem Nordbayerischen, die jede Silbe mit einer affigen (subhumanoiden) Handbewegung unterstrich, wie man sie von Ghettorappern nach vertieftem Missbrauch bewusstseinserweiternder Substanzen gelegentlich sieht. Fuchtelig wie ein Signalmaat sagte sie ihren Text auf, oder winkte ihn uns zu, ganz wie man will. Dabei war ihr Kopf auf einer Art Drehgestell befestigt und kugelt während der viel zu langen affektierten Ansprache immer wieder lustig durch das Bild. Kugeln ist überhaupt die passendste Metapher für diese herzzerreissende Annonce, denn Bärbel ist zwei Öltanks! Mindestens! Durchmesser = lichte Höhe = 1,63 Meter. Wow! Dennoch möchte sie, wie rührend, "einen Märchenprinz". Der muss wissen, auf was er sich einlässt, schliesslich verkündet die dicke Berta ohne falsche Bescheidenheit: "Dass ich gerne koche, heisst nicht, dass ich träge bin" Klingt halbwegs logisch, etwa so wie der Satz: "Dass ich fett bin, deutet darauf hin, dass ich träge bin". Oder das Axiom: "Weil ich viel koche und das alles mangels Mann selber fresse, bin ich fett". Damit nicht genug, Bärbel geht noch einen Schritt weiter: "Mein Kopf ist voller tolle Ideen" Weiss sie überhaupt von der Erfindung des Genitivs? Und wusste sie, dass toll zu Zeiten von Frau Münchhausen Synonym für das damals noch nicht erfundene "durchgeknallt" oder "unterbelichtet" war? Wahrscheinlich schon, denn mit der Selbsterkenntnis hat unsere Sympathin immerhin keine Probleme. Ihr Problem ist vielmehr, das gibt sie offen zu: "Mir fehlt ein Bartner, den ich meine Gedanken anvertrauen und Gefühle austauschen kann". Der Satz hat Ewigkeitstauglichkeit, ohne Verfallsdatum, zumal geschickt der von Verona Feldbusch patentierte Dativ-Akkusativ-Dreher einbezogen wurde. Das steht wie in Stein gemeisselt. Genauso übrigens die abschliessende Kalenderweisheit: "Geteilte Freude ist doppelte Freude", Baerbel hat - ihrem Äusseren nach zu schliessen - bereits geteilt und darf ab sofort als doppeltes Lottchen im pluralis majestatis angesprochen werden.

 Zum Abschluss traf Frank noch auf Ines, ein Montserrat Caballe look-alike, die über "sche teeeehm" einen neben ihr stehenden Kleiderständer kennen- und lieben gelernt hatte. So sehr, dass sie ihn schliesslich heiratete. Erst nach Minuten stellte sich heraus, dass der Kleiderständer gar kein solcher war, sondern sprechen konnte. Ja, er hatte fast menschliche Züge, wenn auch die eines absoluten Langweilers. Wie es ausging ist unbekannt, da der letzte Zuschauer nach zwei Minuten dieses Ruehrstuecks einge- oder entschlafen sein muss.
              
 

Wer mit wem? Und Vor allem: warum?

Am 24. Juni überraschte uns die Sche Teeeehm Redaktion mit einem Special für Hobby-Mediziner, die sich in der Diagnose beliebter exotischer Gebrechen, ueben konnte, die man sonst nur aus Boulevardsendungen im Privatfersehen kennt.
Dies begann schon mit dem seltsamen Mönch, der immer wieder durch die Sachsen-Anhaltinische Botanik des Klosters Ärmsleben (nomen est omen) irrte - vermutlich zur Auflockerung der wie immer belanglosen und wie immer mit falscher Betonung vom Teleprompter abgelesenen "spannenden" Anekdoten, mit denen Frank den anteilsmäßig nicht zu unterschätzenden grenzdebilen Teil der Zielgruppe in Kindergartentantenmanier zu unterhalten versuchte. Der irr aus der Jute-Wäsche schauende Klosterbruder litt nämlich klar erkennbar unter der Volkskrankheit "Hungerödem" - er sah aus wie im 18. Monat schwanger - sowie unter latenter Geschmacklosigkeit, was sich anhand des allerliebst auf der feisten Birne angeordneten Toupets auch unvoreingenommenen Betrachtern schon auf den ersten Blick erschlossen haben dürfte.

Es folgte Ines, deren bedeutungsschwangere Eröffnung "es war nicht immer leicht" bereits erahnen ließ, dass da mal wieder jemand auf dem Mitleidsticket zu reisen beabsichtigte. Dementsprechend tat Ines auch herzlich wenig, um ihr "David-Hasselhoff-Syndrom" zu verbergen; im Gegenteil, wie ein Volltrunkener auf einer Hochgeschwindigkeitswippe schunkelte sie durch die Videoannonce. Ines hatte sich offenbar lange in der schweren Kunst geübt, minutenlang auf einem Ton zu sprechen. Das wirkte sich natürlich nicht gerade belebend auf den Spannungsbogen ihres Vortrags aus: ihr zu lauschen ist ungefähr so interessant wie die Lektüre des Telefonbuchs der Falkland-Inseln. Zumal die abgefahrene Endvierzigerin nichts unversucht ließ, ihre Spießigkeit unter Beweis zu stellen. Der gesuchte Bartner darf weder Alkohol noch Kippen anrühren und muss tolerieren, dass sie sich manchmal die flippige Verrücktheit leistet, "einen Einkaufsbummel zu machen". Zudem wird die Gesellschaft zur Rettung des Althochdeutschen nach vertraulichen Informationen aus dem Aufsichtsrat Ines den diesjährigen Heinrich-Lübke-Gedächtnis-Preis verleihen. Begründung: Als erste Deutsche seit der Wiedervereinigung sprach sie in den audiovisuellen Medien das Wort "Seifenkiste" aus. Wenn auch phonetisch falsch - "meine Ginder basdeln an ihren Seifngistn".

In kaum schlechterer Verfassung zeigte sich als zweiter Delinquent Olaf, dessen anheimelnde Stimme an das Geräusch erinnert, das entsteht, wenn man einen Yorkshireterrier in die Kettenmotorsäge wirft, Olaf spricht nur ein wenig jaulender und piepsiger, irgendwie wie ein frisch vergewaltigter Kanarienvogel. Was er genau zu sagen hatte, bleibt den Sche Teeeehm Historikern wohl auf alle Zeiten verschlossen, denn Olaf trat ohne Simultandolmetscher auf und war in der Kombination sächsisch/Sprachbehinderung (Insider, die wissen, dass auch Sächsisch an sich schon eine Sprachbehinderung ist, sprechen von Doppelversehrung) nun wirklich nicht mehr zu verstehen. Damit nicht genug, ein drittes Handicap trat hinzu: Olaf leidet unter dem rätselhaften "Morbus Petzokat":  Nur der Mund bewegte sich, gerade so wie in den Videomontagen, wo Prominenten durch Einblendung des Mundwerks eines Satirikers in ansonsten unversehrte Gesichter scherzhafte Wort in den Mund gelegt werden. Nun war aber Olafs Kopf beim besten Willen nicht als Prominentengesicht zu identifizieren, noch verfügt der Zonensender über die teure Überblendtechnik, es muss also doch etwas Ernstes gewesen sein. Kein Wunder, schließlich "arbeitet" der Mann eigenem Bekenntnis nach als Postbeamter, da ist eine gewisse Trägheit möglichst vieler Körperteile bekanntlich Einstellungsvoraussetzung. Auch der Geist darf bei den "Gelben" nicht zu rege sein, das ist klar. Olaf bewies es uns am Ende seiner Ansprache, als der Teleprompter zwischen "Tschüss Euer" und "Olaf" ein wenig hing und dem guten Mann erst nach reiflichem Nachdenken sein Vorname einfiel. Der Hinweis "ich bin ein ruhiger Dyp" wäre unter diesen Umständen für jedes andere als das MDR-Publikum überflüssig gewesen.

Es folgte Marion, die das Kunststück fertig brachte, sich bei ähnlich steifer und langsamer Sprechweise auch noch ständig zu verhaspeln. Auch sie leidet unter einer vollständigen Versteinerung der Gesichtszüge, die sich offenbar auf längere Sicht zur Beratung zurückgezogen haben. Geistig noch recht frisch für ihre 44 Jahre, parlierte sie belanglos von ihrer Gatze Dommy, ihren Engeln (gemeint waren aber nicht die in der DDR so beliebten Jahresendflügelfiguren, sondern Kindeskinder) und ihrem Wunsch, das Jahr 2000 nicht mehr allein verbringen zu müssen. Ein Blick in den Kalender hätte geholfen, auch ist es nicht ratsam, sich den Text für die Videoannonce schon Jahre vor dem Drehtermin aufzusetzen und ihn dann nicht mehr gegenzulesen. Na ja, Lesen wäre mit diesen Glubschaugen ohnehin eine ziemliche Zumutung... Problematisch auch Marions Wunsch, ihr Bartner solle im Alter zu ihr passen. So spritzig wie sie vorgetragen hatte, wäre Ernst Jünger genau der richtige gewesen, doch, ach, der ist ja leider allzu früh verstorben. "Alles Liebe, Ihre Marion Dittmann" ja, wenn dit man jut jeht, liebe Marion.

Als kleines Intermezzo zeigt uns Frank einen "Eselsbrunnen". Darunter hat man sich einen tiefen Brunnenschacht vorzustellen, über dem große Eimer hängen, die dadurch auf und ab bewegt werden, dass ein Esel in einem großen Laufrad hin und her läuft. Unsere kleine Fangemeinde, die die Sendung regelmäßig miteinander verfolgt, war hin- und hergerissen. Sollte man sich wünschen, dass s.E. in die Tiefe des Schachtes falle oder doch lieber darauf hoffen, dass er durch Begehung des Eselsrades zeigt, wer auf dem obersten Ast seines Stammbaumes steht. Frank entschied sich spontan für letzteres und begab sich ins Laufrad. Dabei fiel erstmals auf, dass sein Gesicht etwas Hamsterhaftes hat, die meisten Hamster aber über den wesentlich besseren Friseur verfügen.

Startnummer vier hieß Thomas und erweckte ebenfalls einen bedenkenerregenden Eindruck. Fast schien es eine seltsame Mischform aus Übermotivation und Tourette-Syndrom zu sein, zitterten dem armen Mann doch in regelmäßigen Abständen die Arme in hampelmannartiger Synchronie rechts und links vom Körper, nur um sofort wieder in die Ausgangsposition zurückzufallen. Mit diesen zwei Grundstellungen kam Thomas dann auch bequem über die Runden, mehr Bewegung war nicht. Das schon fast traditionelle Vorabendserienschauspielergesicht war auch bei ihm sehr augenfällig - das Genlabor in Zeulenroda sollte die Gandidaten wirklich etwas vielfältiger züchten, dreimal am Stück das gleiche Gen vergessen, das fällt doch auf. Eine gewisse Eigenheit legte Thomas dennoch an den Tag - er bestand darauf, jede Silbe seines Vortrags einzeln zu betonen. Da der gute Mann per se schon mit einem Charisma wie ein Schonerdeckchen und einer Statur von unverhältnismäßig stämmigerem Umfang als Ottfried Fischer ausgestattet war (auf deutsch: er war so vollschlank, dass die Post AG ihm eine eigene Postleitzahl zugeteilt hat), geriet sein Vortrag insgesamt ein klitzekleinwenig behäbig. Was hilft es da noch, wenn man sich stellt wie der Bundespräsident bei der Ansprache zur Lage der Nation, wenn man offen bekennt, Gino und Gabarett zu mögen und Sinnsprüche wie diesen von sich gibt: "Ich bin Nichtraucher, aber das soll nicht heißen, dass ich kein Stubenhocker bin"? Und noch was, liebe Sche Teeeehm Redaktion, der Witz mit den Zahlendrehern in der Altersangabe ist nun wirklich ausgelutscht, Thomas ist ganz sicher nicht 29!

Als fünfter Kandidat ging Andreas, 36 (?) ins Rennen. Er litt unter - wer rät es? - genau! Der schon mehrfach beobachteten "Sailor-Moon-Face-Disease". Und redet in? Na? Genau! Derselben Stakkatosprechweise. Auch in seiner Altersangabe fanden wir wieder einen? Richtig! Zahlendreher! Wie soll die moderne Frau von heute denn bei solchen Retortengandidaten noch den richtigen finden bzw. sich merken, welcher der Richtige war. Gut, Andreas hat natürlich seinen ganz eigenen Charme. Nachdem ihn drei Geisterbahnen nacheinander abgelehnt hatten, weil sie sein Äußeres ihren Kunden doch nicht zumuten wollten, hat er sich mit einem tollen Hobby getröstet und baut nun LKW-Modelle. Also eigentlich EllGooWeeModälle. Zur Überraschung des befreundeten Auslands und im Unterschied zu allen anderen Kandidaten ist Andreas kein Disgogänger und macht er gerne Urlaub in südlichen Ländern. Überdies fährt er gerne Auto. Wie wäre das noch zu toppen.
Was den Kandidaten an Bewegung und Spritzigkeit fehlte, bekam der Zuschauer im 4:20 Minuten dauernden traurigen Höhepunkt der Sendung nachgereicht. Die "Sängerin" Sarah Schneider aus Mannheim wälzte ihr gedankenlos dümmliches Grinsen in die Mattscheibe hinein - was im übrigen beim
tieferen Blick in ihren Augen die freie Sicht auf die Innenseite ihres Schädelknochens freigab - von Gehirn keine Spur. Nach kurzem und an Peinlichkeit kaum noch zu steigerndem Gespräch mit Frank ("Frank, Du darfst fast alles") erbot sich die Trällerelse, die zuvor den zweiten Platz bei der Stimme 1999 belegt hatte (unter vermutlich gerade einmal zwei Teilnehmern, ein schöner Erfolg) und danach als Leadsängerin der Crimmitschauer Kinderschänder und der Halberstädter Hirntoten Furore gemacht hatte, eine Kostprobe ihrer Unfähigkeit zu geben. Die Darbietung qualifizierte Sarah nicht nur als Teilnehmerin an dem demnächst abzuhaltenden Contest "wer singt das schlechteste Playback aller Zeiten", sondern erinnerte auch von der Choreographie und den Tanzbewegungen, ebenso wie vom kindlichen Gemüt der Sängerin her fatal an die Mini-Playback-Show. Sarahs nichtendenwollender Versuch, Ausdruck in ihr Pfannkuchengesicht zu zaubern, scheiterte ebenso, wie die Bemühungen, sich halbwegs zum Rhythmus zu bewegen. Man wurde den Verdacht nicht los, hier werde nur ein neues, überaus effizientes Brechmittel erstmals dem Publikum vorgestellt. Zeilen wie "damals der Urlaub war unheimlich schön", "Liebe macht blind, doch ich seh noch sehr gut" und "der Zahn der Zeit ist unsere größte Gefahr" haben alle Chancen auf den internationalen Einfaltspokal. Nach dem Notwehrparagraphen § 32 StGB darf man auf so etwas schießen. Nach allen Regeln des guten Geschmacks muss man
auf so etwas schießen. Nur weiter so, MDR, so wird es nie was mit der Million Zuschauer.
 
 

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