Die Analyse der Sendung vom 15.1.2000

Die ohnehin schon freudige Erregung vor Beginn der Sendung wurde noch freudiger mit dem Intro: Sollte Frank endlich die - unter anderem vom Fanclub - so lange geforderte Assistentin bewilligt bekommen haben? Doch nein, es war nur eine der äußerst unkonventionellen, jugendlich ausgeflippten Gäste der heutigen Sendung. Die neue spontane Unbekümmertheit, die wir derzeit bei jetaime immer öfter beobachten können, wurde mit den anschließenden ersten Einstellungen dokumentiert: Da wurde das Auto sportlich mitten in der Auffahrt zum Hotelparkplatz stehen gelassen, da zeugten Kameraführung und musikalische Untermalung von den Risiken der Methadon-Substitutions-Therapie und da überzeugte Frank mal wieder mit seiner betont...äh... selbstbewussten Einstiegsmoderation ("alle wuseln extra für mich") und der äußerst charmanten Unterbrechung dieser Rede ans Volk, nur um ein paar noch unhöflichere Statisten in ein sinnfreies Gespräch zu verwickeln. Da fühlt man sich als Zuschauer doch richtig ernst genommen! Danke MDR!
Auch im weitern Verlauf der Sendung konnten wir ungebildeten Zuseher noch viel dazu lernen. So zum Beispiel, dass Spitzenfriseure vor allem mit Lockenbürste und Fön arbeiten (um nicht zu sagen: ausschließlich), dass es durchaus Sinn macht, wenn ein Friseur zwischen einer femininen und einer erotischen Frisur unterscheidet (okay, derartige Klischees sind nicht wirklich neu) und welch grandiose sprachliche Fertigkeiten ein Friseur entwickeln kann, wenn man ihn nur lässt. Danke an dieser Stelle für die Pluralform von "Schmuck".
Trotzdem bleibt die Frage offen, ob es wirklich so eine gute Idee war, die Ratgeberrubrik künftig Friseuren zu überlassen. Wenn man einen Nudelkopf mit zweifelhafter sexueller Orientierung und noch zweifelhafteren Statements haben wollte, hätte man ja auch gleich bei Dr. Weihnachtsmann bleiben können!
Nichtsdestotrotz: was die Haarkünstler aus den so unspektakulären Kandidaten gezaubert haben. kann sich sehen lassen. Doch seht selbst:
vorher nachher
1. Monika
Ihr betont lässiger und gedehnter Redestil, der die Berufsbezeichnung (Sozialtante) eigentlich fast überflüssig machte, und ihr planloses Herumirren im Hotelgarten ließ sie wohl so manchem jugendlichen Handtaschenräuber sehr interessant erscheinen.
erst noch etwas herb: nach dem Haareschneiden schon viel besser
2. Ulrich
Eigentlich der Prototyp Wessi-Schleimbeutel, der uns gerade noch gefehlt hatte. Wie arrogant muss man sein, um gegen alle geschriebenen und ungeschriebenen Regeln, die einem jetaime-Kandidaten  Bescheidenheit, Demut und Größe vor dem Schicksal, ja man könnte sogar sagen: ein gewisses Maß an Ritterlichkeit gebieten, zu verstoßen? Auf jeden Fall lassen die folgenden ausgewählten Zitate schon auf einen besonders unsensiblen Jammerlappen schließen: "Dass ich heute vor der Kamera stehe, hat einen tragischen Hintergrund", "...was mir nach einer liebenden Bartnerin fehlt, sind Reicht ... Reisen", "Die Haarfarbe ist mir gleichgültig, doch ich bevorzuge dunkelhaarige, gut proportionierte Frauen", "Vergessen sie nicht, ein aktuelles Foto...beizulegen. Sie haben mich ja schließlich auch gesehn!"
Gute Voraussetzungen: , die der Friseur nutzte: 
3. Beate
äußerte sehr detaillierte Wünsche, wobei sie aber auch einige Zugeständnisse machen würde, wie ihr letzter Satz unterstreicht: "Du kannst auch gern spontan sein." Kaum zu glauben, dass sie mit dieser toleranten Einstellung bislang noch keinen Bartner gefunden hat...
Vor und nach der Show
4. Peter - Kandidat der Woche            
Dieser Mann hat einfach alles! Bemerkenswert, wie er es trotzdem versteht, seine Anzeige unspektakulär und zurückhaltend rüber zu bringen. Daran hätte sich Ulli mal orientieren sollen! Na gut, die eingestreute Szene, in der Peterchen weltmännisch seiner überdimensionierten Limousine entsteigt und sie James-Bond-mäßig lässig mit der Fernbedienung verriegelt, hatte schon etwas sehr attraktives. Aber, du meine Güte, - was kann dieser aufrechte junge Mann denn dafür, dass er dermaßen sexy wirkt?! Wir finden, er geht mit dieser Tatsache, die, wie sein Auftritt beweist, nicht immer nur Vorteile hat, sehr routiniert um. Bravo Peter!
Toll: Moni istkaum wieder zu erkennen:
5. Monika
fiel vor allem ihre wahrhaft perfekt ausformulierte und gelernte Annonce auf. Weiterhin durch die Tatsache, dass sie scheinbar nur links kaut und durch ihren souveränen Gebrauch schwieriger Lehnworte aus dem Chinesischen ("Walkohohlic"). Am besten gefiel uns aber auch diese Kandidaten nach dem Besuch beim Frisör.
 

Gesamtfazit: Wieder eine Etappe auf dem Weg zur Weltspitze absolviert, aber nicht unbedingt ein Meilenstein an den man oft zurück denken wird. Immerhin ist man Hildemann wohl wieder losgeworden, nachdem er sich ja letztes Mal nochmal in die Show geschlichen hatte...

 

Quote: 10,4% d.h. 460.000 Zuschauer
 
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