Die ohnehin schon freudige Erregung vor Beginn
der Sendung wurde noch freudiger mit dem Intro: Sollte Frank endlich die
- unter anderem vom Fanclub - so lange geforderte Assistentin bewilligt
bekommen haben? Doch nein, es war nur eine der äußerst unkonventionellen,
jugendlich ausgeflippten Gäste der heutigen Sendung. Die neue spontane
Unbekümmertheit, die wir derzeit bei jetaime immer öfter beobachten
können, wurde mit den anschließenden ersten Einstellungen dokumentiert:
Da wurde das Auto sportlich mitten in der Auffahrt zum Hotelparkplatz stehen
gelassen, da zeugten Kameraführung und musikalische Untermalung von
den Risiken der Methadon-Substitutions-Therapie und da überzeugte
Frank mal wieder mit seiner betont...äh... selbstbewussten Einstiegsmoderation
("alle wuseln extra für mich") und der äußerst charmanten
Unterbrechung dieser Rede ans Volk, nur um ein paar noch unhöflichere
Statisten in ein sinnfreies Gespräch zu verwickeln. Da fühlt
man sich als Zuschauer doch richtig ernst genommen! Danke MDR!
Auch im weitern Verlauf der Sendung konnten
wir ungebildeten Zuseher noch viel dazu lernen. So zum Beispiel, dass Spitzenfriseure
vor allem mit Lockenbürste und Fön arbeiten (um nicht zu sagen:
ausschließlich), dass es durchaus Sinn macht, wenn ein Friseur zwischen
einer femininen und einer erotischen Frisur unterscheidet (okay, derartige
Klischees sind nicht wirklich neu) und welch grandiose sprachliche Fertigkeiten
ein Friseur entwickeln kann, wenn man ihn nur lässt. Danke an dieser
Stelle für die Pluralform von "Schmuck".
Trotzdem bleibt die Frage offen, ob es wirklich
so eine gute Idee war, die Ratgeberrubrik künftig Friseuren zu überlassen.
Wenn man einen Nudelkopf mit zweifelhafter sexueller Orientierung und noch
zweifelhafteren Statements haben wollte, hätte man ja auch gleich
bei Dr. Weihnachtsmann bleiben können!
Nichtsdestotrotz: was die Haarkünstler
aus den so unspektakulären Kandidaten gezaubert haben. kann sich sehen
lassen. Doch seht selbst:
vorher nachher
1. Monika
Ihr betont lässiger und gedehnter Redestil,
der die Berufsbezeichnung (Sozialtante) eigentlich fast überflüssig
machte, und ihr planloses Herumirren im Hotelgarten ließ sie wohl
so manchem jugendlichen Handtaschenräuber sehr interessant erscheinen.
erst noch etwas herb: nach
dem Haareschneiden schon viel besser
2. Ulrich
Eigentlich der Prototyp Wessi-Schleimbeutel,
der uns gerade noch gefehlt hatte. Wie arrogant muss man sein, um gegen
alle geschriebenen und ungeschriebenen Regeln, die einem jetaime-Kandidaten
Bescheidenheit, Demut und Größe vor dem Schicksal, ja man könnte
sogar sagen: ein gewisses Maß an Ritterlichkeit gebieten, zu verstoßen?
Auf jeden Fall lassen die folgenden ausgewählten Zitate schon auf
einen besonders unsensiblen Jammerlappen schließen: "Dass ich heute
vor der Kamera stehe, hat einen tragischen Hintergrund", "...was mir nach
einer liebenden Bartnerin fehlt, sind Reicht ... Reisen", "Die Haarfarbe
ist mir gleichgültig, doch ich bevorzuge dunkelhaarige, gut proportionierte
Frauen", "Vergessen sie nicht, ein aktuelles Foto...beizulegen. Sie haben
mich ja schließlich auch gesehn!"
Gute Voraussetzungen: ,
die der Friseur nutzte:
3. Beate
äußerte sehr detaillierte Wünsche,
wobei sie aber auch einige Zugeständnisse machen würde, wie ihr
letzter Satz unterstreicht: "Du kannst auch gern spontan sein." Kaum zu
glauben, dass sie mit dieser toleranten Einstellung bislang noch keinen
Bartner gefunden hat...
Vor und nach
der
Show
4. Peter - Kandidat der Woche
Dieser Mann hat einfach alles! Bemerkenswert,
wie er es trotzdem versteht, seine Anzeige unspektakulär und zurückhaltend
rüber zu bringen. Daran hätte sich Ulli mal orientieren sollen!
Na gut, die eingestreute Szene, in der Peterchen weltmännisch seiner
überdimensionierten Limousine entsteigt und sie James-Bond-mäßig
lässig mit der Fernbedienung verriegelt, hatte schon etwas sehr attraktives.
Aber, du meine Güte, - was kann dieser aufrechte junge Mann denn dafür,
dass er dermaßen sexy wirkt?! Wir finden, er geht mit dieser Tatsache,
die, wie sein Auftritt beweist, nicht immer nur Vorteile hat, sehr routiniert
um. Bravo Peter!
Toll: Moni istkaum wieder
zu erkennen:
5. Monika
fiel vor allem ihre wahrhaft perfekt ausformulierte
und gelernte Annonce auf. Weiterhin durch die Tatsache, dass sie scheinbar
nur links kaut und durch ihren souveränen Gebrauch schwieriger Lehnworte
aus dem Chinesischen ("Walkohohlic"). Am besten gefiel uns aber auch diese
Kandidaten nach dem Besuch beim Frisör.
Gesamtfazit: Wieder eine Etappe auf dem Weg
zur Weltspitze absolviert, aber nicht unbedingt ein Meilenstein an den
man oft zurück denken wird. Immerhin ist man Hildemann wohl wieder
losgeworden, nachdem er sich ja letztes Mal nochmal in die Show geschlichen
hatte...
Quote: 10,4% d.h. 460.000 Zuschauer