Die Analyse der Kandidaten vom Samstach, 13.11.1999

Der rote Faden dieser mal wieder sehr gelungenen Sendung bestand darin, die Kandidaten gemeinsam mit Büchern auftreten zu lassen. Erwähnenswert daran der Umstand, dass es offenbar gelungen ist, 6 Singles zusammen zu kriegen, die des Lesens kundig sind oder zumindest gekonnt in einem Buch blättern können. Da es trotzdem immer etwas zu verbessern gibt, hier unsere alternativen Lektüreempfehlungen für die Teilnehmer:


(Fallada - Der Trinker)

Sie begann mit einer Floskel, die in Zeiten sinkender Faible-Verwendung durchaus das Zeug zum neuen Kultwort hat: "Ja Frank". Solcherart gut in die Annonce gestartet, fiel es ihr auch nicht schwer, den Zuschauern ihr Anliegen zu verklickern: "Da mir bis jetzt noch kein Mann fürs Leben begegnet ist, versuche ich es auf diese Weise." Unverholen dann ihre Forderung: "Mit Alkohol sollte er keine Probleme haben" (Vermutlich eine Eigenvariation des jetaime-Standardsatzes 7B: Mit meinen 3 Kindern sollte er keine Probleme haben). Besonders gefallen hat uns das Schlussbild, in dem Rosi im Vorübergehen einen verächtlichen Blick auf den Bücherwühltisch wirft und damit ihre langjährige Erfahrung als C&A-Kundin durchscheinen lässt.



(Ogger - Nieten in Nadelstreifen)

Achtung, Frank! Deine Parallelen zwischen Büchern und Frauen, wenn der Mann gerade erzählt hat, dass er gerne ins Antiquariat geht, hätten bei einem weniger begriffsstutzigen Kandidaten böse enden können!
Helmuts Einleitung erschien wenig glücklich. Die plumpe Aufforderung, nicht umzuschalten (!), löst doch bei jedem Privatfernsehgeschädigtem Zuschauer sofort den Werbepausenumgehungszapreflex aus! Nach diesem kleinen Lapsus allerdings lies Helmut seinen geballten Charme spielen und bediente in der Manier eines Profi-Schnulzensängers die geheimen Wünsche der anvisierten Frauen, noch bevor diese wussten, dass sie diese Wünsche überhaupt haben. Nicht schlecht.



(Hugo- les Miserables)

"Ich habe es mir hier bequem gemacht" - angesichts ihrer Sitzhaltung war diese Einleitung ungefähr so glaubwürdig, wie das mit schmerzverzehrtem Gesicht vorgetragene `hat nicht weh getan' der übergewichtigen Tanzschulenbesucherin, die gerade eine Kanne kochenden Kaffe über den Schoß geschüttet bekam. Wie zu erfahren war, erlernt Thea gerade den schönen sächsischen Beruf der "Resdorangaufrau". Doch meinte man vielleicht deswegen schon, es hier mit einer oberflächlichen Person zu tun zu haben - weit gefehlt. Es gibt nämlich noch wichtigere Dinge im Leben als Haus und Garten, nämlich -hört, hört!-: "gemeinsamer Urlaub"... Naja, immerhin hat sie sich offensichtlich an unserer praktische-Hinweise-Sammlung orientiert.



(Disney - Lustiges Taschenbuch)

Hilfe, eine Karnevalsabhängige! Nachdem dieses Geheimnis gelüftet und auch die etwas eigenartige Kriegsbemalung damit erklärt wurde, gab es eigentlich nicht mehr viel zu erfahren. Vor allem weil man ja auch schon vorher wußte, dass Faschingsveranstaltungen ungefähr so lustig sind wie ein Loch im Kopf. Ach ja, ein Hosenscheißer ist bereits vorhanden (was die tollen Tage halt so mit sich bringen...), lesen tut sie auch, wenn auch nur Konsalik, King, Neue Revue...naja.
"Ich würde gern auch mal ins Kino oder Theater gehen, aber dazu fehlt mir bis jetzt..." Und hier (Aktion) rufen wir alle jetaime-Fans auf, diesen tollen Satz zu vervollständigen. Es winken phantastische Preise! Winken sie zurück!



(Crichton - Dino Park)

Die Auswahl ihrer Lektüre überraschte durch eine ungewohnte Stringenz: "'Hausmannskost', 'Ich koche für dich' und 'Das Buch vom Fürzen'". Vom Text der Vorstellung blieben uns nur einige Satzkonstruktionen der Sparte Jagen wird durch Wild erst schön, wie zum Beispiel "Natürlich sind die Kleinen bei unseren spontanen Ausflügen immer gern mit dabei" Zum Schluss die Bitte: "Schreiben sie uns einfach: ein aktuelles Bild wäre nett." Na, nichts leichter als das, liebe Elvira:

Ein aktuelles Bild wäre nett.



Kandidat der Woche



(Lenz - Deutschstunde)

Als sich dieser vor Sympathie strotzende Taxifahrer grinsend ins Bild drehte, dachte man im ersten Moment, es handele sich hierbei um den grausigen Fund aus der Schlagzeile: Spaziergänger machten grausigen Fund. Doch abgesehn vom Aussehen stellte sich die Frage: was hatte dieser Kandidat denn in der heutigen Sendung zu suchen? So einen Energiesprühenden tollen Hirsch kann man doch nicht gemeinsam mit staubigen Büchern auftreten lassen! Sofort war zu erkennen, dass er den Rahmen gehörig sprengte. Nicht nur, dass er gleich 4 (!!) Bücher in sportlicher Haltung bei sich trug, nein er überraschte die Zuhörerinen auch noch mit einem wahren Feuerwerk an komplizierten Formulierungen, die derartig perfekt auswendig zu lernen ihm auf den ersten Blick wohl kaum einer zugetraut hatte, und die teilweise nur durch seine freundlicherweise nachgeschobenen Erläuterungen einigermaßen verständlich wurden: "Meine zukünftige Bartnerin sollte im Alter zu mir passen.Natürlich könnte sie etwas jünger oder älter sein." , "Ich bin Nichtraucher. Daher würde ich mich freuen, wenn auch sie nicht rauchen würden." ... Was aber hat in diesem Zusammenhang der Wunsch nach einem angenehmen Äußeren für einen Hintergrund?
Wie auch immer, Matthias bestätigte erneut die alte Binsenweisheit: Wahre Gefühle brauchen keinen Grammatik!



Gesamtfazit der Sendung:
Respekt! Beim Plaudern mit Dr. Hülsenmann lies Frank lang vermisste journalistische Fähigkeiten aufblitzen, indem er knallhart nachhakte: "Ja oder Nein?!" (Jubel und Applaus bei den live-Zuschauern vor der Großbildleinwand im jetaime-Clubcentre), beim Gespräch mit der Büchertante jedoch verzichtete er wohl aus falsch verstandener Höflichkeit auf diese Hartnäckigkeit: "Wie viele Torfbewohner haben sie denn am Anfang für verrückt erklärt?" -"Wahrscheinlich alle" - "Und wie viele sind es jetzt?" Das wäre die Frage gewesen, die den Gesprächspartner wirklich in die Enge treibt! Naja, weiterüben.

Die Quote:
Magere 12 komma 3%, was einen leichten Rückschritt auf 470.000 Watchers bedeutet.

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