Analyse
der Sendung vom 10. Februar 2001
Wie von unser aller Lieblingssendung nicht
anders zu erwarten, hatte das rührige MDR-Team auch diesmal wieder
eine location aufgetan, die ihresgleichen sucht. Wie bei jetaime üblich,
zeichnete sich der Drehort vor allem dadurch aus, dass ihm wahrscheinlich
auch in 1000 Jahren Fernsehn auch der letzte offene Kanal nicht eine einzige
Minute seiner kostbaren Sendezeit widmen wird. Doch zum Glück gibt
es ja die hervorragende Kreativabteilung beim MDR, die sich nicht nur dereinst
das unschlagbare Konzept von "jetaime - wer mit wem" sondern auch gleich
noch aufregende und sehenswerte Schauplätze für dieses Machwerk
in Hülle und Fülle einfallen ließ und so guckten wir also
auch an diesem Samstag wieder in die Röhre.
Frank
Liehr tat ein übriges, um mit seiner unvergleichlichen Moderation,
die beim Zuschauer das ungewisse Gefühl erzeugt, gerade entweder eine
selten dämliche Show zu sehen oder aber auf eine besonders dreiste
Art und Weise verhohnepipelt zu werden, um auch den letzten Funken Interesse,
die der eine oder andere Konsument vielleicht durch das vorabendliche Fernsehprogramm
zu retten vermochte, im Handumdrehen zu zertreten. In bewährter Manier
faselte er sich von einer Binsenweisheit zur nächsten, nicht ohne
durch sein schon legendäres anbiederndes Onkel-Gehabe die Gelassenheit
seiner Fans auf eine harte Probe zu stellen. Geht es uns nicht allen so:
Sobald man das Thema der Sendung, oder -wir wollen mal nicht zu euphemistisch
sein- den Aufhänger für Franks überflüssigen Zeitfüllermonologe
kennt, fallen einem hundert mehr oder weniger lohnenswerte Gesichtspunkte
zu diesem Thema ein; beim weiteren Verfolgen der Show stellt sich Mal um
Mal heraus, dass man bei "jetaime" offenbar die Ambition hat, jedes Thema
möglichst flach und eindimensional abzuhandeln (ein ähnliches
Phänomen kennt derjenige, der schon mal einen "Focus" gekauft hat,
weil er die Titelstory interessant fand...), wenn nur die Sendezeit irgendwie
voll wird und man möglichst nichts recherchieren musste, bzw. Frank
sich auch nicht damit aufhalten musste, sich irgendwie mit dem Thema vorab
zu befassen. Das ist ja schließlich keine journalistische Sendung,
also bitte - erwartet hier echt jemand, dass es mehr zu sehen gibt, als
ein paar lustige arme Singles?
Natürlich nicht.
Kandidatin 1
Die
Aufgabe, in vorderster Linie stehend, das Feuer auf sich zu ziehen und
die nachfolgenden Kandidaten weniger kläglich aussehen zu lassen (wie
wir wissen, ja alles eine Frage der Relation), meisterte diese Kandidatin
recht achtbar. Natürlich durfte sie sich mit vollen Händen aus
dem Trog der abgegriffenen Floskeln bedienen, da ja die letzte Ausgabe
der jetaime- Standardrede schon hinreichend lange zurück lag (die
hielt ja der letzte Kandidat von voriger Woche), und das tat sie dann auch.
Unendlich dehnten sich die Minuten, bis uns endlich der erlösende
Schlusssatz aus unseren Krämpfen befreite und wir neue Kräfte
für die zweite Humorattacke des Abends sammeln konnten.
Kandidat 2
...und
diese ließ nicht lange auf sich warten. Was hatte sich da denn für
ein absonderliches Exemplar der Gattung Single aufgebaut? Der junge Mann
legte es wohl eindeutig darauf an, den berühmten Mutterinstinkt in
den anwesenden Zuschauerinnen zu erregen. Nun, eingedenk der Tatsache,
dass er mit diesem Aussehen wohl ohnehin nur von seiner Mutter geliebt
werden kann, ist das ja auch eine erfolgversprechende Taktik. Wünschen
wir ihm Glück.
Kandidatin 3
Eine
typische Kandidatin 3, die man so oder zumindest ähnlich in fast jeder
Folge findet. Schon die Startnummer deutet auf eine gewisse Mittelmäßigkeit
hin, die dann aber dermaßen überzeichnet zum Ausdruck gebracht
wurde, dass man sich des Eindrucks nicht erwehren konnte, hier möchte
vielleicht jemand partout davon ablenken, dass er gar nicht mittelmäßig
ist! Sollte es sich so verhalten, bleibt als Schlussfolgerung: sie ist
entweder über- oder aber unterdurchschnittlich (in welcher Beziehung
auch immer). Nun, was Äußerlichkeiten angeht, so wird wohl ein
Blick auf nebenstehendes Foto auch den kummergewohntesten jetaime-Fan klar
werden, wohin der Hase läuft. Und die inneren Werte? Sagen wir mal
so: wäre sie in irgendeiner Form überdurchschnittlich - würde
sie dann ausgerechnet beim MDR auftreten?
Kandidat 4
Clever,
diesen putzigen Kleiderständer an Platz 4 zu setzen, wo erfahrungsgemäß
die meisten Titel "Kandidat der Woche" errungen wurden. Doch in diesem
Fall müssen wir leider eine Ausnahme machen. Ja, hätte der Gute
sich schlicht auf das Vorführen seiner einfachen und doch geschmacklosen
Klamotten beschränkt, hätte man vielleicht Gnade vor Recht ergehen
lassen können. Aber *seufz*, der Fehler wird ja immer wieder gemacht.
Die Leute reden einfach zu gerne.
Kandidatin 5
Zu
guter Letzt noch diese Augenweide für Kenner der Kunst des so genannten
Anti-Frisiering. Nun sind ja gemeinhin Frisuren bei jetaime immer einen
kleinen Aufsatz wert, bei dieser Kandidatin aber versagt dem Autor die
Feder. Man sollte diesen Anblick durchaus mal eine ruhige Minute auf sich
wirken lassen. Wie mir glaubhaft versichert wurde, kann das - die entsprechende
Konzentration vorausgesetzt - eine erhebliche bewusstseinserweiternde Wirkung
haben, die die illegalen Drogen, unter denen der Maskenbildner offensichtlich
bei seiner Arbeit stand, weitgehend entbehrlich machen.
PS: Da ich an diesem Wochenende leider was anderes vorhatte, habe ich diese
Analyse bereits am Freitag geschrieben. Etwaige Ungereimtheiten im Bezug
zur Sendung bitte ich zu entschuldigen.