
Die Sendung vom 09.10.1999

39-jährige Germanistikstudentin, die kurz vor "Überschreitung des Verfallsdatum",
noch mal die letzte Chance beim Schopfe packen will, um einen Bartner zu finden, der genug
"Mut mitbringt", sich auf "den anderen einzulassen".
Ihr Hobby orientalischer Bauchtanz beinhaltet "sich selbst schön zu finden"!
Ramona hält "Sprache für eine sehr spannende Angelegenheit". Ihre sprachlichen
Fertigkeiten können es in puncto Spannung mit jeder x-beliebigen Folge vom Tatort aufnehmen.
Allein die zwei Fremdwörter in einem Satz - plaziert in der Mitte ihrer Annonce - lassen
ahnen, was erst nach dem dritten Semester Germanistik möglich ist: "Eine Hardcore-Vegetarierin
bin ich ni."
Bleibt nur zu hoffen, daß diese sensationelle sächsisch-englische links-rechts-Kombination
erhört wurde, und nicht alle potenziellen Bartner im weiten mdr-Land gerade in diesem
sicher prägenden Moment deutscher Fernsehunterhaltung im ZDF bei dem stinklangweiligen
Fußballspiel waren.
Kandidat der Woche

Straßenwärter aus'm Westen, der uns mit der forschen Begrüßung "Hallo
Du" regelrecht überfiel. Dankbar sind wir für seine freundliche Erklärung
betreffend der uns im Osten völlig unbekannten Berufsbezeichnung: "Für einen
guten Start in den Tag bringe ich morgens die neuesten Nachrichten von Haus zu Haus."
Aha: eine Klatschtante also.
Lobenswert der Einsatz des Fachbegriffes "Faible", der seit der Erstausstrahlung
von wer-mit-wem in keiner Sendung fehlen darf.
Schade, daß Jörg sich kurz vor Ende der Annonce seine fein säuberlich aufgebaute
Glaubwürdigkeit mit einem einzigen Satz wieder gänzlich stiehlt: "Spaß
und Freude hab ich auch ohne Alkohol." Schwer zu glauben, daß er in diese Aufzeichnung
ging, ohne vorher ordentlich einen zu bechern....

Ölgötzin aus Leipzig, bei der das Bildbearbeitungsprogramm zur Erstellung des
obigen Fotos allerbeste Dienste leisten mußte, um wenigstens annähernd einen lächelnden
Gesichtsausdruck herzustellen.
Die Wünscheliste, was der zukünftige Partner mitbringen sollte, wurde wie ein Forderungskatalog
kaltblütiger Entführer verlesen.
Daß Daggi sich über "Vogelgezwitscher und ein altehrwürdiges Gebäude
freuen kann", läßt sie in der Sympathie-Skala jedoch wieder nach oben schnellen.

Rapper aus der Nähe von Bremen, der mit seiner staccato-artig vorgetragenen Love-Message
garantiert bleibenden Eindruck
hinterlassen wird.
Was jedoch nicht minder offene Fragen beim leicht überforderten Betrachter überlassen
wird, ist die seltsam schizophren anmutende Paarung offensichtlich unzusammenhängender
Vorstellungen bezüglich der baldigen Partnerin. "Lebenslustig solltest du sein, aber
nicht ortsgebunden."
Mehrfach lag Schorschis Betonung darauf, daß er die "Zweisamkeit mag". Stellt
sich widerum die Frage, ob er diese positiven Erfahrungen bisher nur aus seinen 32 Jahren daheim
bei Muttern zieht oder ob sich bei seinen "gelegentlichen Saunabesuchen" doch mehr
abgespielt hat, als er uns verraten mag....

mmmmh - lieber ohne Worte. Nur dies: Wenn Frank Liehr bei einem anruft, dann ist das doch wohl
eine unerhörte Frechheit, das Telefon vier(!) mal klingeln zu lassen!
52-jähriger Statist alter Helge-Schneider-Filmen, der nicht umsonst eine "humorvolle
Persönlichkeit" sucht.
Die Frau der Träume darf gern etwas Übergewicht mitbringen, welches jedoch "gut
verteilt sein sollte". Außerdem würde er ihr "überall hin folgen."
Diese leicht pervers anheimelnde Aussage wird die Diskussion um Alkohol-Mißbrauch im
Zusammenhang mit der Sendung wer-mit-wem neu entfachen.Daß das Wort "distanziert"
ab einem Wert von 1,3 Promille lieber nicht mehr gewählt werden sollte, nehmen wir wohl
alle als größte Lehre aus dieser Videoannonce mit in unser weiteres Leben.

68-jährige Verkäuferin(???), die durch Gestenreichtum besticht und aus den "Alpen
neue Ideen für Garten und Balkon mitbringt." Toll.
Geil der Satz bezüglich ihrer Begeisterung für alte Schlösser: "Da weht
immer ein Haufen Romantik mit." Ein weiteres Highlight: "Wo Musik erklingt, zieht
es mich auch immer hin." Der gesamte Text wurde im einwandfreien Stile von "Lieber
guter Weihnachtsmann, schau mich nicht so böse an..." vorgetragen, wofür wir
Hildegard allen erdenklichen Respekt zollen.
Gesamtfazit der Sendung:
Bedenklich, daß schon drei Kandidaten aus den alten Bundesländern versuchten, die
bisher uneinnehmbare mdr-Bastion wer-mit-wem mit ihrem fremden Dialekt zu durchsetzen und uns
die Freude an der Sendung zu nehmen. Solange der Style dieser Kandidaten sich aber noch derart
erfreulich an dem ihrer Ost-Kollegen ausrichtet, darf es gern so weitergehn.
Die Quote:
Sagenhafte 360.000 verfolgten gebannt die Sendung trotz Fußball-Konkurrenz. Sollte das
Engagement des Fanclubs schon nach so kurzer Zeit erste Früchte des Erfolges tragen?
Der Marktanteil von 9,3% läßt uns die Brust vor Stolz schwellen und ist zugleich
Herausforderung für das gesamte Fernsehvolk, die zehn-Prozent-Hürde schon am nächsten
Samstag zu überspringen.
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