Sendung vom 6. Januar 2001

Neues Jahrtausend - neues Glück! Diese, von unser aller Lieblingsmoderator ausgegebene Devise heizte auch die frohen Erwartungen im jetaimeclub-Center an und wurde prompt als Überschrift für die heutige Analyse erwogen. Sollten die guten Vorsätze diesmal wirklich Erfüllung finden? Würden die Kandidaten tatsächlich zu altgewohnten Qualitäten zurück finden und die wartende Fernsehgemeinde mit Kostproben ihrer schier unglaublichen Wortschöpfungen und (un)sinnschwangeren Gedankenkapriolen beglücken? Sollte Frank seine Moderationstexte wirklich zum Korrekturlesen vorgelegt haben? Würden wir alle Antworten auf die wichtigen Fragen des Lebens, die uns teilweise schon Jahre beschäftigen, ob und warum es gut ist Single zu sein, was man keinesfalls in einer Fernsehsendung anziehen sollte und warum es in gewissen Situationen ganz hilfreich ist, ein paar wertfreie Floskeln aufsagen zu können auch wenn das Gehirn kurzfristig von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten ist, erhalten?
Die Sendung sollte es zeigen und sie zeigte es.
Leider nicht.
 

Kandidatin 1

Ein, nach eigenem Bekunden, "im Sternzeichen Zwillinge geborener Drache". Sonst scheint sie keine Probleme zu haben, wenn man mal von der obligatorischen Überkandideltheit alternder Feministinnen absieht. Nichtsdestotrotz verriet ihre Annonce weitreichende Lebenserfahrungen, zumindest auf dem Feld der Partnerschaftsanzeigen.
 
 
 

Kandidat 2

Zunächst wie eine frisch aus einer Kinderserie entsprungene Plüschfigur anmutend, wurde bald klar, dass Mario es faustdick hinter den Ohren hat: " mir liegt alles, vom Beten, anzuverlegen, bis zum Rasen mähen..." Er träumt von gemeinsamem Spaß beim Selbstaufziehen von Blumen und Gemüse. Ja, selbst vor "Ginobesuchen" und "mal danzn gehn" schreckt er nicht zurück. Bleibt die Frage, ob er wirklich eine Bartnerin findet, die dieses adrenalintreibende Leben mit ihm teilen möchte. Oder ob er doch besser zu RTL2 gegangen wäre.
 
 

Kandidatin 3

Ihre Behauptung, fast täglich im Fitness-Studio zu sein, ist nicht leicht zu glauben (andererseits muss es ja auch dort Reinigungspersonal geben...), bevor man nicht weiß, was sie dort eigentlich tut. Sie gibt Spinning-Kurse. Und wie nicht anders zu erwarten, fiel ihre Anzeige denn auch in die Kategorie Extreme - Spinning. Der Beruf ist ihr zu kopflastig, was jeder versteht, der schon mal mit einer echten Sozialarbeiterin diskutieren musste. Selbstverständlich hat sie eine positive Lebenseinstellung und Humor ist für sie kein Fremdwort. Wohl aber der Name ihres Lieblingsautors Crichton, den sie so herzerfrischend falsch aussprach, dass auch diese kleine Demonstration intellektueller Weltläufigkeit als plumpe Platitüde aus dem jetaime-Handkartenkasten enttarnt wurde.
 

Kandidat 4

  Ein Kandidat der perfekt zur neuen (und alten) Schlafmützigkeit bei jetaime passt. Emotionsgeladen wie ein Eurosportrückblick auf die uruguayanische  Fußballsaison 1967/68 lamentierte er ein wenig über sein dahinplätscherndes Leben und wäre der Kameramann nicht im Einnicken auf der STOP-Taste aufgeschlagen, so könnten wir wohl jetzt noch beobachten, wie Uwe im weißen Hemd Zeitlupen-Hanteltraining, Zeitlupen-Bankdrücking und natürlich Zeitlupen-Spinning betreibt.
 
 
 

Kandidatin 5

Ihrer eigenen Konstitution zum Trotz, musste sie gleich im Einstiegsgespräch mit Frank darauf hinweisen, dass sie natürlich nur einen durchtrainierten Adonis an ihrer Seite ertragen könnte. Die Annonce litt merklich darunter, dass nur eine begrenzte Anzahl an Takes zur Verfügung standen, da Frank laut Drehbuch im Hintergrund solange Squash gegen sich selber spielen sollte. Mit Sorge konnte man beobachten, wie sich sein geschundener Körper mit jedem Umschnitt schlaffer durch den Glaskäfig schleppte und man konnte nur hoffen, dass Heidlinde fertig sein würde, bevor der gute Mann völlig zusammenbricht. Sätze wie "Ich bin im Sternzeichen des Schützen geboren... deshalb gibt es bei mir auch keine Langeweile" einigermaßen glaubwürdig aufzusagen, ist aber auch nicht ganz ohne.
 
 

Sonstiges

  Die diesjährige Ratgeberrubrik übertrifft selbst unsere kühnsten Erwartungen. Takt und Stil (!) erklärt von einer Expertin (!!) und das ausgerechnet Frank Liehr (!!!) Wer denkt, dass sei ungefähr so sinnvoll, wie mit einem Eimer Wasser einen Waldbrand zu löschen, liegt gar nicht so daneben, wie einige ausgewählte Fettnäpfchen beweisen, die Kamerad Liehr im Laufe seiner 1,5minütigen Unterredung mit Frau Müller betrat:
- gleich die erste Antwort, die er nicht verstand, wischte er mit der Bemerkung "Spaß beiseite!" weg und stellte sofort die Qualifikation seiner Expertin in Frage: "Was haben Sie gelernt?!"
- diskrete Umschreibungen ("persönliche Beweggründe") ließ er nicht gelten und zögerte auch nicht damit Müller barsch zu unterbrechen, um seiner Sensationslust zu frönen: "Es war die Liebe! Sagen Sie's ruhig!"
- Während seine Gesprächspartnerin noch mühsam um Fassung rang und diesen Affront charmant zu ignorieren versuchte, nutzte Frank die Gelegenheit, ihr ausgiebig in den Ausschnitt zu starren.
- Als Müller geschickt das Thema wechselte und seine Aufmerksamkeit auf den nächsten Kandidaten lenkte, ließ er sie fallen wie eine heiße Kartoffel, riss das Wort wieder an sich und gab es nicht mehr her. Als letzte Demütigung veralberte er die arme Kollegin mit einer nassforschen Frage "Was ist nächste Woche das Thema?", die er, ihr just in dem Augenblick das Wort abschneidend, in dem sie zur Antwort anheben wollte, selbst beantwortete: "Das wollen wir noch nicht verraten", wobei die unterschwellige Aussage "Das interessiert ja doch keine Sau" wohl nicht nur von uns so verstanden wurde.
Nun, wünschen wir Frau Müller alles Gute und viel Geduld bei ihrer Sisyphusarbeit. Möge sie den Ausstieg schaffen, ehe es ihr so ergeht wie dem bedauernswerten Dr. Hildemann.
Erfreulich diesmal die Einschaltquote: 610.000 rekordverdächtige Zuschauer (13,9%)
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